Davos. Das Coronavirus zwingt auch das in Davos beheimatete Weltwirtschaftsforum (WEF) in den Krisenmodus. Statt in den verschneiten Bergen der Schweizer Alpen findet die Veranstaltung, die als eines der wichtigsten Treffen der der globalen Politik- und Wirtschaftselite gilt, dieses Jahr nur digital statt. Erst Ende Mai soll ein Präsenz-Gipfel folgen - Pandemie-bedingt allerdings in Singapur und nicht in Davos.

Hochkarätig ist die Besetzung der so genannten Agenda-Woche aber dennoch. So hat am Montag etwa Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping die Rede zu Eröffnung des Weltwirtschaftsforum gehalten. Vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen China und den USA beziehungsweise Europa hat sich Xi dabei für mehr internationale Kooperation und freien Welthandel ausgesprochen. Die Probleme der Welt könnten von keinem Land alleine gelöst werden, sagte der chinesische Präsident in seiner Videobotschaft. "Wir sollten fairen Wettbewerb befürworten, so wie auf der Rennbahn gegeneinander um Spitzenleistung antreten, statt sich in einer Ringkampf-Arena zu prügeln."

Ohne konkret auf die Vielzahl neu verhängter Sanktionen der USA gegen China einzugehen, warnte Xi in seiner Rede eher allgemein davor, andere Länder zu bedrohen oder eine Unterbrechung von Lieferketten einzuleiten. Auch dürfe Außenhandelspolitik nicht zulasten anderer Länder gehen.

Xis Rede war nach dem Machtwechsel in Washington mit besonderer Spannung erwartet worden. Denn nach den von Handelskrieg und dem Zurückdrängen internationaler Kooperation geprägten Jahren der US-Präsidentschaft von Donald Trump ist das Weltwirtschaftsforum für Xi die erste Gelegenheit gewesen, um das Verhältnis zu Washington auf eine neue Basis zu stellen. Bereits zuvor hatt die Regierung des neuen US-Präsidenten Joe Biden aber schon klar gemacht, dass sie auf keinen Kuschelkurs gegenüber dem Handelsrivalen einschwenken wird.

Hoffen auf Biden

Neben Xi hatte am Montag auch noch EZB-Chefin Christine Lagarde ihren Auftritt. Gemeinsam mit dem deutschen Wirtschaftsminister Peter Altmaier, Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire und VW-Chef Herbert Diess wurde darüber diskutiert, wie die Welt wieder in die Wachstumsspur zurückfinden kann.

Für den Dienstag sind dann Reden von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und der deutschen Kanzlerin Angela Merkel geplant, bei denen es vor allem auch um das Thema transatlantische Beziehungen gehen dürfte. So rechnet etwa Merkel nach der Amtseinführung Bidens mit einer Verbesserung der Beziehungen zu Washington.

Biden hat auch im Umgang mit der Corona-Krise mit dem Stil seines Vorgängers gebrochen. Als eine seiner ersten Maßnahmen unterzeichnete er einen Erlass, in dem er die Bereitschaft seiner Regierung erklärt, sich an der internationalen Covax-Initiative zu beteiligen. Diese soll eine weltweit faire und gerechte Verteilung von Corona-Impfstoffen garantieren. Der Schritt unterstreicht, dass Biden anders als sein Vorgänger auch auf eine verstärkte internationale Zusammenarbeit bei der Eindämmung des Virus setzt.

Pfizer-Chef Albert Bourla wird am Freitag auf dem Digitalforum ebenso wie der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn Gelegenheit haben, einen Ausblick auf die Impfentwicklung zu geben. Im virtuellen Davos werden sich zudem zahlreiche Spitzenvertreter aus der deutschen Wirtschaft und Finanzwelt ein Stelldichein geben: darunter Allianz-Chef Oliver Bäte, Deutsche Bank-Chef Christian Sewing, und Siemens-Chef Joe Kaeser. Letzterer nimmt auf der Hauptversammlung am 3. Februar nach mehr als sieben Jahren an der Spitze seinen Hut.