Vier Tage nach dem Militärputsch in Myanmar wächst in dem südostasiatischen Land der Protest gegen die Armeeführung. Gegen die Festnahme eines engen Vertrauten der unter Hausarrest stehenden De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi gingen am Freitag in der Wirtschaftsmetropole Rangun Hunderte Hochschullehrer und Studenten auf die Straße. Um weitere Proteste zu unterbinden, schränkten die Behörden den Zugang zu Online-Kommunikationsplattformen wie Facebook und Twitter ein.

Trotz der enormen Militärpräsenz gab es in mehreren Städten Myanmars Demonstrationen. Rund 200 Dozenten und Studenten der Dagon-Universität in Yangon (Rangun) gingen auf die Straße. Als Zeichen des Protests zeigten sie den Drei-Finger-Gruß - ein Symbol der pro-demokratischen Protestbewegung im benachbarten Thailand.

"Wir müssen uns dieser Diktatur widersetzen", sagte der Dozent Win Win Maw der AFP. "Wenn sich alle Beamten an dieser Bewegung beteiligen, ist es nicht einfach, dieses Regierungssystem aufrecht zu erhalten." Die Studenten skandierten "Lang lebe Mutter Suu" und trugen rote Fahnen, die Farbe von Suu Kyis Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD).

Zuvor war bekannt geworden, dass auch Suu Kyis enger Vertrauter Win Htein festgenommen wurde. Laut seinem Sprecher wurde der 79-Jährige in eine Polizeistation der Hauptstadt Naypyidaw gebracht. Win Htein gilt als rechte Hand Suu Kyis.

Win Htein rief Bürger zum Widerstand auf

Vor seiner Festnahme hatte Win Htein in Interviews mit englischsprachigen Medien den Streitkräften vorgeworfen, das südostasiatische Land mit dem Putsch "in die falsche Richtung zu führen". Er rief die Bürger zu Widerstand gegen die "Zerstörung unserer Regierung" auf.

Kundgebungen gab es auch in Naypyidaw. Dort posierten Dutzende von Mitarbeitern verschiedener Ministerien mit roten Bändern für Gruppenfotos. Nach Angaben der Assistance Association for Political Prisoners (AAPP) wurden bisher mehr als 130 Beamte und Abgeordnete festgenommen.

Die Polizei in Mandalay, der zweitgrößten Stadt Myanmars, nahm mehr als 20 Menschen fest, weil sie aus Protest gegen die Armeeführung auf Töpfe und Pfannen geschlagen hatten. Sie wurden am Freitag zu sieben Tagen Gefängnis verurteilt, weil sie gegen das Gesetz zur Störung der öffentlichen Ordnung verstoßen hatten.

Die Armeeführung hatte am Montag mit einem Staatsstreich die Macht an sich gerissen und die Zivilregierung abgesetzt. Myanmars Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi sowie der Präsident des Landes, Win Myint, wurden festgenommen. Das Militär rief einen einjährigen Notstand aus, nach dem Neuwahlen stattfinden sollen.

Putsch beendete zehnjährige Phase des demokratischen Wandels

NLD-Sprecher Kyi Toe sagte der Nachrichtenagentur AFP am Freitag, seines Wissens nach stehe Suu Kyi weiter unter Hausarrest. Die 75-jährige sei bei "guter Gesundheit". Suu Kyis Anwalt Khin Maung Zaw sagte vor Journalisten, er habe seit dem Staatsstreich keinen Kontakt zu seiner Mandantin mehr gehabt. Auch mit dem ebenfalls abgesetzten Präsidenten Win Myint sei bisher kein Gespräch möglich gewesen, sagte Khin Maung Zaw am Freitag vor Reportern in der Hauptstadt Naypyidaw. Er fordere die bedingungslose Freilassung. Beide Politiker stehen unter Hausarrest, gegen sie laufen nach Angaben des Anwalts Ermittlungen.

Die Armee begründet ihr Vorgehen mit angeblichen Manipulationen bei der Parlamentswahl im November, die Suu Kyis Partei gewonnen hatte. Regierungen weltweit verurteilten den Putsch und forderten die Freilassung der festgenommenen Politiker. Der Staatsstreich beendete eine zehnjährige Phase des demokratischen Wandels, nachdem der Staat fast fünf Jahrzehnte lang von einer Militär-Junta geführt worden war.

Um den Protest im Keim zu ersticken, befahl das Militär den Telekommunikationsanbietern des Landes, den Zugang zu Facebook zu kappen - dem wichtigsten Kommunikationsmittel von Millionen Myanmarern. Wie die Plattform Netblocks mitteilte, wurde am späten Freitagabend (Ortszeit) auch der Zugang zu Twitter eingeschränkt. Nach Angaben einiger Internetnutzer konnte die Blockade auch nicht durch die Nutzung von VPN-Diensten umgangen werden. Laut Netblocks gab es auch beim Messengerdienst Whatsapp und der Foto-Plattform Instagram Störungen.

In einem angeblich vom Verkehrsministerium veröffentlichten Dokument hieß es, Twitter und Instagram seien genutzt worden, um die Menschen "aufzustacheln und Falschnachrichten" zu verbreiten. "Im Sinne der öffentlichen Sicherheit und Stabilität des Landes" würden beide Dienste bis auf weiteres blockiert. AFP konnte das Dokument einsehen, seine Echtheit zunächst aber nicht verifizieren. (afp/reuters)