In Ecuador hat der linksgerichtete Kandidat Andrés Arauz die erste Runde der Präsidentenwahl am Sonntag klar gewonnen. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen gab es allerdings um den zweiten Platz - und damit um den Einzug in die Stichwahl: Der indigene Anwalt Yaku Pérez, der wie Arauz eine linksgerichtete Agenda vertritt, lag nach vorläufigen Ergebnissen nur äußerst knapp vor dem rechtsgerichteten Ex-Banker Guillermo Lasso. Erst das endgültige Ergebnis bringt im April die Entscheidung.

Der 36-jährige Ökonom Arauz holte sich mit 32,3 Prozent klar den Sieg. Im Rennen um Platz zwei lag Nachwahlbefragungen zufolge zuerst Lasso vor Pérez. Laut vorläufigen Ergebnissen landete dann jedoch der indigene Umwelt- und Sozialaktivist mit 19,9 Prozent knapp vor dem ehemaligen Banker mit 19,3 Prozent. In der Nacht auf Montag war damit unklar, wer auf den dritten Platz verwiesen wurde und damit nicht in die Stichwahl einzieht. Der bisherige Präsident Lenín Moreno war nicht mehr angetreten.

Schützling von Rafael Correa

Arauz hatte bereits nach Veröffentlichung der ersten Ergebnisse einen "überwältigenden Sieg" ausgerufen. Er forderte jedoch seine Anhänger auf, vor dem Feiern auf die offiziellen Ergebnisse zu warten. Bei der Wahl habe es sich um ein "demokratisches Fest" gehandelt, twitterte er.

Arauz trat für das linke Parteienbündnis UNES (Union für die Hoffnung) an. Er ist ein Schützling des zweimaligen Präsidenten Rafael Correa, der trotz einer Verurteilung wegen Korruption weiterhin starken politischen Einfluss ausübt. Arauz will das Land nach eigenen Angaben nach der vierjährigen Amtszeit Morenos wieder auf einen sozialistischen Kurs bringen und unter anderem eine Sondersteuer für Reiche einführen.

Arauz, einst Minister in Correas Kabinett, beschreibt sich selbst als Patriot, Demokrat und progressiven Politiker. Im August versprach er bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur im Online-Dienst Twitter, die Gesundheits- und Wirtschaftskrise in Ecuador zu beenden. Für die Stichwahl am 11. April setzt er auf "nationale Einheit" und Versöhnung.

Anders als Correa, der während seiner Präsidentschaft auf Konfrontation mit den USA setzte, kündigte Arauz an, gute Beziehungen zur neuen US-Regierung unter Präsident Joe Biden aufbauen zu wollen. Den vom Internationalen Währungsfonds (IWF) mit Correas Nachfolger Lenín Moreno vereinbarten Sparkurs will Arauz im Falle seiner Wahl jedoch nicht fortsetzen.

Den scheidenden Präsidenten Moreno, der mit Hilfe der Linken ins Amt gekommen war, nennt Arauz einen "Verräter" am Sozialismus. Correa hatte das südamerikanische Land von 2007 bis 2017 regiert. Moreno hatte nach seinem Amtsantritt mit der Politik seines Vorgängers gebrochen und war nach rechts gerückt, indem er Ecuador wieder für die USA und den im Land umstrittenen IWF öffnete.

Ursprünglich sollte Correa als Vizepräsident antreten, was ihm jedoch wegen seiner Verurteilung zu acht Jahren Gefängnis wegen Korruption verwehrt wurde. Als Arauz Stellvertreter kandidiert stattdessen der Journalist Carlos Rabascall.

Der scheidende Präsident Moreno hinterlässt ein umstrittenes Erbe und ein polarisiertes Land. Ecuador steckt wegen des Verfalls des Ölpreises in einer schweren wirtschaftlichen Krise, die durch die Corona-Pandemie zusätzlich verschärft wurde. Mehr als 257.000 Menschen in dem südamerikanischen Land infizierten sich mit dem Coronavirus, rund 15.000 starben nach einer Infektion.

Die künftige Regierung steht vor großen Herausforderungen. Eine hohe Staatsverschuldung und eine Wirtschaft, die nach offiziellen Schätzungen 2020 um 8,9 Prozent schrumpfte, lassen allerdings wenig Spielraum. Die Stichwahl für das Präsidentenamt soll am 11. April stattfinden. Der neue Staatschef soll das Amt am 24. Mai antreten.

Nach seinem Sieg in der ersten Runde betonte Arauz in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP die "nationale Einheit" und Versöhnung. Er kündigte an, im Falle eines Siegs auch bei der Stichwahl die Staatsschulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) neu verhandeln zu wollen. "Die vereinbarten Konditionen mit dem IWF können von unserer Regierung nicht erfüllt werden, weil sie unmittelbar die Geldbeutel der ecuadorianischen Familien belasten", sagte Arauz. Anders als sein Mentor Correa, der während seiner Präsidentschaft (2007-17) auf Konfrontation mit den USA setzte, kündigte Arauz an, gute Beziehungen zur neuen US-Regierung unter Präsident Joe Biden aufbauen zu wollen. (apa,afp)