Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben sich am Montag über den weiteren Umgang mit dem Astrazeneca-Impfstoff ausgetauscht. Südafrika hatte damit geplante Impfungen wegen Zweifeln an der Wirksamkeit gegen die dortige Virus-Variante vorerst gestoppt. "Das sind auf jeden Fall beunruhigende Nachrichten", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf. Die Entwicklung zeige, dass Vakzine schnell produziert und zu den Menschen gebracht werden müssten.

"Wir wissen, dass Viren mutieren, und wir wissen, dass wir bereit sein müssen, Impfungen anzupassen, damit sie wirksam bleiben", sagte der WHO-Chef weiter. Tedros will sich am Dienstag mit den Experten der Strategie-Gruppe der WHO (SAGE) treffen, um Empfehlungen im Umgang mit dem Impfstoff zu besprechen, den Astrazeneca zusammen mit der Universität Oxford entwickelt hat. Er appellierte an die Staatengemeinschaft, jede neu entdeckte Virusmutation an die WHO zu melden. Nur so könne die Organisation die Entwicklung beobachten und entsprechend reagieren.

Alle Mittel einsetzen

Die Leiterin des Bereichs Impfstoffe der WHO, Kate O'Brien, wies auch auf andere Studien hin, die gezeigt hätten, dass der Astrazeneca-Impfstoff gegen schwere Verläufe von Covid-19 schützen könne - auch bei Infektionen mit der zuerst in Südafrika entdeckten Mutante B.1.351.

Der WHO-Notfalldirektor Michael Ryan betonte, dass es in der aktuellen Situation wichtig sei, alle zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um die Pandemie unter Kontrolle zu bringen. Wichtigstes Ziel der Impfungen sei es derzeit, die Zahl der Patienten in Krankenhäusern sowie die Todesfälle zu reduzieren. "Wir brauchen möglicherweise bessere Impfstoffe, um mehr zu tun als nur die Todesfälle und Krankenhausaufenthalte zu stoppen", sagte Ryan. Im "Katastrophenmanagement" müsse jedoch "getan werden, was getan werden kann".

Sorge um Wirkung von Impfstoff

"Wir haben eine geringere Wirkung erwartet, aber nicht in diesem Ausmaß", sagte Salim Abdool Karim, Leiter des Corona-Beratungskomitees der südafrikanischen Regierung. Der neue Ansatz der Regierung sei, 100.000 Menschen mit dem Astrazeneca-Vakzin zu impfen und darauf zu achten, wie viele trotzdem in ein Krankenhaus eingeliefert werden müssen. "Wir wollen am Ende nicht Millionen Menschen geimpft haben, wenn die Impfung nicht effektiv ist."

Eine aktuelle Studie zeigt, dass eine Impfung mit dem Astrazeneca-Wirkstoff nur minimal vor leichten und moderaten Erkrankungen nach einer Infektion mit der in Südafrika vorherrschenden Virusvariante B.1.351 schützt. Die noch nicht in einem Fachmagazin erschienene und von unabhängigen Experten begutachtete Untersuchung wurde von den Universitäten Oxford in Großbritannien und Witwatersrand in Südafrika veröffentlicht. Weil der Astrazeneca-Impfstoff verhältnismäßig günstig und leicht zu lagern ist, galt er als große Hoffnung für Entwicklungs- und Schwellenländer. (apa, dpa)