Mehr als zweieinhalb Jahre nach ihrer Festnahme in Saudi-Arabien ist die prominente Frauenrechtlerin Loujain al-Hatholul (31) aus dem Gefängnis entlassen worden. "Loujain ist zu Hause!!!!!!", schrieb ihre Schwester Lina am Mittwoch bei Twitter. Dazu veröffentlichte sie ein Bild, das Loujain bei einem Videotelefonat zeigt. Nach Angaben der Schwester verbrachte sie insgesamt 1001 Tag im Gefängnis. US-Präsident Joe Biden begrüßte die Freilassung.

Al-Hathloul zählt zu den international bekanntesten Aktivisten in der streng islamischen Monarchie und wurde vor allem durch die Kampagne für ein Ende des Autofahrverbots für Frauen bekannt. Sie wurde im Mai 2018 festgenommen - kurz bevor das Fahrverbot aufgehoben wurde. Die Staatsanwaltschaft hatte die Höchststrafe von 20 Jahren Haft gefordert. Ihrer Familie zufolge wurde Al-Hathloul während ihrer Gefangenschaft gefoltert. Die Regierung in Riad bestreitet dies.

"Sie freizulassen, war richtig", sagte Biden am Mittwoch bei einer Rede im US-Verteidigungsministerium. Al-Hathloul sei eine starke Kämpferin für Frauenrechte. Ihre Freilassung sei eine "willkommene Nachricht". Bidens Vorgänger Donald Trump wurde vorgeworfen, sich im Umgang mit der streng islamischen Monarchie Saudi-Arabien nicht für Menschenrechte einzusetzen.

Drei Jahre auf Bewährung

Ganz in Freiheit ist die Aktivistin allerdings noch nicht. Für sie gilt eine drei Jahre lange Bewährungsstrafe. Damit kann sie nach Angaben ihrer Unterstützer für jede als illegal empfundene Handlung festgenommen werden. Zudem tritt nun ein Reiseverbot von fünf Jahren in Kraft. Ein auf Terrorismusdelikte spezialisiertes Gericht hatte sie im Dezember zu fünf Jahren und acht Monaten Haft verurteilt und die Hälfte davon ausgesetzt. Al-Hatholul hat Berufung eingelegt.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International bezeichnete Al-Hathloul als "Gesicht des Muts" und des "unbeirrbaren Glaubens in Gerechtigkeit". Wegen des Reiseverbots und der Bewährungsstrafe werde sie aber "zum Schweigen gedrängt", schrieb Kenneth Roth, Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Auch Lina al-Hathloul hatte dazu gedrängt, die Entlassung ihrer Schwester aus dem Gefängnis nicht als "Freiheit" zu bezeichnen.

Während ihrer Zeit in Gefangenschaft wurde Loujain al-Hathoul zu einer der bekanntesten Figuren im Kampf für Frauen- und Menschenrechte in Saudi-Arabien. Sie wurde in der Küstenstadt Jeddah geboren, studierte französische Literatur in Kanada und bewarb sich auf einen Studiengang in angewandter Sozialforschung an der Sorbonne-Universität in Abu Dhabi. Ihr Ehemann ließ sich scheiden - der Familie zufolge aus unklaren Gründen. Es gab Berichte, wonach das saudische Regime Druck auf ihn ausgeübt haben soll.

Die Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Deutschen Bundestag, Gyde Jensen, sprach von einer "riesigen Erleichterung". Al-Hathloul hätte aber niemals ins Gefängnis kommen dürfen, so die FDP-Politikerin. Sie sei auf Geheiß von Kronprinz Mohammed bin Salman gefoltert, unter widrigsten Bedingungen inhaftiert und in einem Schauprozess unrechtmäßig verurteilt worden. (apa)