Die US-Regierung hat angesichts des Hungers im Jemen die Einstufung der Houthi-Rebellen als Terrororganisation zurückgenommen. Man habe auf Warnungen unter anderem der UN und humanitärer Gruppen gehört, dass die Sanktionen den Zugang von Menschen zu Nahrung und Treibstoff auf verheerende Weise verschlechtern könnten, so Außenminister Antony Blinken am Freitag. Zugleich seien sich die USA nach wie vor über die aggressiven und böswilligen Aktionen der Houthi-Rebellen im Klaren.

Blinkens Vorgänger Mike Pompeo hatte die Einstufung der Houthis als Terrorgruppe kurz vor seinem Ausscheiden mit dem Ende der Amtszeit von Präsident Donald Trump veranlasst. Das Außenministerium hatte die Rücknahme des Schritts bereits vergangene Woche angekündigt.

Kinder mangelernährt

Im Jemen herrscht seit 2014 Bürgerkrieg. In dem sehr verarmten Land leben 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung in Gebieten, die von den Houthis kontrolliert werden. Unter anderem Millionen Kleinkinder müssen nach UN-Angaben hungern. Insgesamt könnten fast 2,3 Millionen Mädchen und Burschen unter fünf Jahren von Mangelernährung betroffen sein, hieß es am Freitag in einem Bericht des Kinderhilfswerks Unicef und anderer UN-Organisationen.

Dies entspreche der Hälfte aller Kinder unter fünf Jahren. 400.000 Kinder könnten ohne Behandlung an den Folgen sterben, warnten die Organisationen in einer Mitteilung. Den Angaben zufolge verschärft sich die Hungersnot in diesem Jahr weiter. Das stark verarmte Bürgerkriegsland könnte neue Höchstwerte bei der akuten Unterernährung erreichen, erklärten die UNO-Organisationen.

Mangelernährung schädige die körperliche und kognitive Entwicklung irreversibel, besonders in den ersten beiden Lebensjahren. Betroffene seien zudem anfälliger für Krankheiten. Bereits 1,2 Millionen schwangere und stillende Jemenitinnen seien unterernährt. Die Corona-Pandemie habe das Problem verschlimmert. UNICEF forderte unter anderem einen ungehinderten Zugang zu Gemeinden vor Ort. "Mit jedem Tag, der ohne Handlung vergeht, werden mehr Kinder sterben", warnte Geschäftsführerin Henrietta Fore.

In dem Land im Süden der Arabischen Halbinsel kämpfen die Houthi-Rebellen gegen die international anerkannte Regierung. Ein von Saudi-Arabien angeführtes Militärbündnis unterstützt die Regierung. Die Houthis wiederum sind mit dem Iran verbündet. Die seit mehr als zwei Jahren laufenden Friedensbemühungen kommen kaum voran. Schon früher hatten die Vereinten Nationen erklärt, das Land leide unter der derzeit größten humanitären Krise weltweit. (apa, dpa)