Die humanitäre Lage in der äthiopischen Konfliktregion Tigray sowie der Flüchtlinge im benachbarten Sudan ist nach Beobachtungen von Hilfsorganisationen besorgniserregend. Allein um das Durchgangslager Hamdayet im Sudan befinden sich nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen vom Freitag bis zu 12.000 Geflüchtete. Seit dem Ausbruch der Gewalt im November 2020 flohen mehr als 60.000 Menschen aus Tigray ins Nachbarland.

"Viele leben in einem temporären Lager, doch auch dort gibt es keine richtigen Unterkünfte und oft nicht einmal genug Wasser, Nahrung und Sanitäreinrichtungen", hieß es. Zuletzt habe es deshalb bereits Demonstrationen gegeben.

Auch Vereinte Nationen besorgt

Die Hilfsorganisation Mary's Meals, die sich mit einer Partnerorganisation in Tigray engagiert, berichtet von weit verbreitetem Hunger in der Bevölkerung. "Die Hauptstadt der Region, Mekelle, wird täglich von vertriebenen, mittellosen und traumatisierten Menschen überschwemmt, darunter viele unbegleitete Kinder, die ihre Eltern verloren haben", betonte die Organisation in einer Erklärung. Auch die Vereinten Nationen hatten die humanitäre Situation in Tigray wiederholt als sehr ernst bezeichnet.

Die Regierung in Addis Abeba hatte im vergangenen November eine Militäroffensive gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) begonnen, die bis dahin in der gleichnamigen Region im Norden Äthiopiens an der Macht war. Hintergrund waren jahrelange Spannungen zwischen der Zentralregierung und der TPLF. Die Offensive wurde zwar für beendet erklärt, die Kämpfe gehen aber weiter; inzwischen sind mehrere Akteure beteiligt, darunter eritreische Truppen und Milizen. (apa, dpa)