Washington/Mexiko-Stadt. Mexikanische Sicherheitskräfte haben im Jahr 2020 eine um fast 500 Prozent größere Menge der Droge Fentanyl beschlagnahmt als im Vorjahr. Das liege an einer höheren Nachfrage nach dem synthetischen Opioid, dessen hohem Suchtpotenzial und der Leichtigkeit, es zu schmuggeln, sowie der Wirtschaftlichkeit für kriminelle Organisationen, hieß es aus Mexiko. Rund 1,3 Tonnen Fentanyl waren bei Einsätzen in den vergangenen zwölf Monaten, die von dem Coronavirus dominiert waren, beschlagnahmt worden - 486 Prozent mehr als im Jahr 2019. Dass das nicht alles für den mexikanischen Eigenbedarf gedacht ist, liegt auf der Hand: Mächtige Kartelle schmuggeln jedes Jahr große Mengen Drogen über Mexikos rund 3.200 Kilometer lange Nordgrenze in die USA.

Aber synthetische Drogen in den USA werden nicht immer nur über die Grenze geschmuggelt, ja, sie sind oft nicht einmal prononciert illegal, sondern im Graubereich zwischen akzeptierten Medikamenten und harten Drogen angesiedelt.

Erst im Dezember verklagte die US-Regierung den größten amerikanischen Einzelhändler wegen seiner Rolle in der Opioid-Krise. Dabei handelt es sich um zum Teil synthetisch hergestellte Arzneimittel. Das Justizministerium warf Walmart vor, süchtig machende Schmerzmittel unrechtmäßig verkauft und damit zur Epidemie in den USA beigetragen zu haben. Als eine der größten Apothekenketten und Großhändler für Arzneimittel hätte Walmart die Verantwortung und auch die Mittel gehabt, mit gegen die Verbreitung solcher Präparate anzugehen, argumentierte das Ministerium. Das Unternehmen habe jedoch das Gegenteil getan - es habe Medikamente trotz gefälschter Rezepte ausgegeben und versäumt, verdächtige Bestellungen den Behörden zu melden.

Apotheken als Kontrolle?

Walmart hatte seinerseits Ende Oktober bereits juristische Schritte gegen die US-Regierung eingeleitet, um gerichtlich klären zu lassen, ob Arzneimittelhändler zur Verantwortung gezogen werden können. Damit kam das Unternehmen der Klage der Regierung zuvor. Das Unternehmen argumentiert, die Mitarbeiter hätten nur ihre Pflicht erfüllt und Arzneimittel angeboten, die Kunden von Ärzten mit Zulassung der US-Behörden verschrieben worden seien. "Es gibt kein Bundesgesetz, das Apothekern vorschreibt, sich in dem vom Justizministerium geforderten Maße in das Verhältnis zwischen Ärzten und Patienten einzumischen", hieß es.

Im November 2020 gestand der Schmerzmittel-Hersteller Purdue Pharma, der Produzent von Oxycontin, seine Mitschuld an der Opioid-Krise ein. Dabei bekannte sich das Unternehmen unter anderem des Betrugs schuldig. Gegen Purdue Pharma laufen wegen des süchtig machenden Schmerzmittels tausende Klagen.

Dem US-Konzern wird vorgeworfen, Schmerzmittel unter Verschleierung von Suchtgefahren vermarktet zu haben. Damit wurde aus Sicht der Kläger eine Basis für die Opioid-Epidemie in den USA gelegt.

Mit dem Geständnis habe Purdue zugegeben, seine Opioid-Produkte vermarktet und verkauft zu haben, obwohl es Grund zu der Annahme gab, dass sie durch Anbieter an Drogenabhängige gelangen würden, sagte Staatsanwältin Rachael Honig.