Saudi-Arabien und die USA sind traditionell Verbündete. Doch so eng wie unter Ex-Präsident Donald Trump war diese Liaison noch nie. Die Saudis konnten in den Augen des Republikaners nichts falsch machen, er nahm Kronprinz Mohammed bin Salman selbst dann noch in Schutz, als dieser unter dringendem Verdacht stand, den Mord an dem in den USA lebenden Journalisten Jamal Khashoggi in Auftrag gegeben zu haben. Mittlerweile geht auch der US-Geheimdienst davon aus, dass dem so war.

Trumps Nachfolger im Amt, Joe Biden, hat für das saudische Regime generell wenig übrig. Die Abkehr vom Trumps Kurs ist eingeleitet, eine fast symbiotische Beziehung beendet. Washington wird Riad in Zukunft nicht mehr bedingungslos entgegenkommen, Biden geht klar auf Distanz - freilich ohne mit dem weiterhin wichtigen strategischen Verbündeten im Mittleren Osten völlig zu brechen.

Die USA und der Westen brauchen die Saudis als Gegengewicht zum Iran, der die Region dominieren will, eine Strategie der Destabilisierung fährt und sein Atomprogramm vorantreibt. Dazu kommt, dass das saudische Königshaus Garant für billiges Öl und lukrative Waffengeschäfte ist - auch für Länder wie etwa Deutschland.

Die Führung des islamisch-konservativen Königreichs war nach dem Verschwinden Jamal Khashoggis am 2. Oktober 2018 scharfer Kritik ausgesetzt. Sie räumte den Mord widerstrebend erst auf internationalen Druck hin ein. Die Spuren führten bis in das engste Umfeld des Kronprinzen, der aber bestritt, die Tötung selbst angeordnet zu haben.

Ein saudisches Gericht hatte im Herbst fünf Angeklagte zu 20 Jahren Haft verurteilt und damit eine zuvor verhängte Todesstrafe gegen die Beschuldigten aufgehoben. In dem jetzt bekannt gewordenen Bericht des US-Geheimdienstes werden neben dem Kronprinzen nicht fünf, sondern gleich 21 Personen im Zusammenhang mit der Operation angeführt.

"Der Kronprinz hat Blut an den Händen"

Zeitgleich mit der Veröffentlichung des Geheimdienstberichts hat US-Außenminister Antony Blinken Einreisebeschränkungen gegen 76 Bürger Saudi-Arabiens angeordnet. Das US-Finanzministerium setzte außerdem den ehemaligen Vize-Geheimdienstchef Ahmed al-Asiri und eine Eliteeinheit zum Schutz des Kronprinzen auf eine Sanktionsliste.

Heftig kritisiert wird der Umstand, dass Washington keine Strafmaßnahmen gegen den augenscheinlichen Kopf der Operation, Kronprinz Salman selbst, verkündete - obwohl Biden das im Wahlkampf eigentlich in Aussicht gestellt hatte. Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, der Demokrat Adam Schiff, fordert weitergehende Maßnahmen. "Die Biden-Regierung sollte sicherstellen, dass die Konsequenzen für den brutalen Mord an Khashoggi nicht nur diejenigen treffen, die ihn ausgeführt haben, sondern auch denjenigen, der ihn angeordnet hat". Und: "Der Kronprinz hat Blut an den Händen", so Schiff.

Die "Washington Post", bei der Khashoggi als Kolumnist tätig war, fordert eine Einreisesperre gegen Salman. Etwaiger Besitz in den USA müsse eingefroren werden. "Salman ist des Mordes schuldig. Biden sollte ihm das nicht durchgehen lassen." Die "New York Times" kommentierte, Biden scheine bereit dazu zu sein, "den Mörder laufen zu lassen". Das sei "Betrug" an Khashoggi. Unter Berufung auf Regierungskreise schrieb die Zeitung, Biden sei der Preis für eine Bestrafung des Kronprinzen ganz einfach zu hoch gewesen. CNN berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, Sanktionen gegen den Kronprinzen seien keine Option gewesen, weil sie US-Militärinteressen hätten gefährden können.

US-Außenminister Blinken verteidigte das Vorgehen Washingtons. "Die Maßnahmen, die wir ergriffen haben, zielen also nicht darauf ab, die Beziehung abzubrechen, sondern darauf, sie neu zu kalibrieren, um sie besser mit unseren Interessen und Werten in Einklang zu bringen", skizzierte Blinken die neue, sehr pragmatische Linie.(red.)