Bei den Protesten in Myanmar gegen den Militärputsch vor gut einem Monat verschärft sich der Konflikt weiten Teilen der Bevölkerung und dem Regime. Während am Wochenende führende Gewerkschaften des Landes zum Generalstreik aufriefen und Zehntausende Menschen auf die Straßen gingen, gingen Sicherheitskräfte erneut mit zunehmender Härte gegen die Demonstranten vor. Unterdessen erklärte das Nachbarland China, es sei zu einer Schlichtung des Konflikts bereit. Dafür könne China Gespräche mit allen Beteiligten führen, sagte der chinesische Spitzendiplomat Wang Yi am Sonntag.

Neun Gewerkschaften riefen am Sonntag zu landesweiten Streiks ab Montag auf. Alle Menschen sollten ihre Arbeit niederlegen, um einen "vollständigen, ausgedehnten Stillstand" der Wirtschaft des Landes herbeizuführen, hieß es. Derweil starb ein Vertreter der Partei der abgesetzten gestürzten De-Facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi über Nacht in Polizeigewahrsam, wie Mitarbeiter erklärten.

Die genaue Ursache des Todes von Khin Maung Latt war nicht bekannt. Reuters-Reporter sahen ein Foto seines Leichnams mit einem blutverschmierten Tuch um den Kopf. Ba Myo Thein, ein Mitglied des nach dem Putsch aufgelösten Oberhauses des Parlaments, sagte, dass Berichte über Quetschungen an Khin Maung Latts Kopf und Körper den Verdacht aufkommen ließen, dass er misshandelt worden sei. "Es scheint, dass er nachts verhaftet und schwer gefoltert wurde," sagte der Politiker zu Reuters. "Das ist völlig inakzeptabel."

Sithu Maung, ein Mitglied des vom Militär aufgelösten Parlaments, sagte in einem Facebook-Post, dass der Verstorbene Khin Maung Latt sein Wahlkampfmanager gewesen sei und am Samstagabend im Bezirk Pabedan in der größten Stadt Yangon festgenommen worden sei. Die dortige Polizei lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

"Sie töten Menschen wie Vögel und Hühner"

In der zweitgrößten Stadt Mandalay feuerte die Polizei Blendgranaten und Tränengas auf Demonstranten, um einen Sitzstreik von Zehntausenden Menschen aufzulösen, wie die Mediengruppe Myanmar Now erklärte. Demnach wurden mindestens 70 Menschen festgenommen. Auch in Yangon und in der Stadt Lashio im Norden des südostasiatischen Landes ging die Polizei mit Tränengas und Blendgranaten gegen Demonstranten vor, wie Live-Bilder auf Facebook zeigten. Ein von Myanmar Now gepostetes Video zeigte, wie Soldaten Männer verprügelten, wo mindestens drei Proteste stattfanden - trotz Razzien der Sicherheitskräfte über Nacht gegen Wahlkampfleiter und Aktivisten der Opposition.

In der historischen Tempelstadt Bagan eröffneten Polizisten Augenzeugenberichten zufolge das Feuer, um einen Protest aufzulösen. Mehrere Bewohner erklärten, dass mit scharfer Munition geschossen worden sei. "Sie töten Menschen wie Vögel und Hühner," sagte ein Protestführer zu einer Menschenmenge in Dawei, einer Stadt im Süden Myanmars. "Was werden wir tun, wenn wir uns nicht gegen sie auflehnen? Wir müssen uns auflehnen."

UNO: Bereits mehr als 50 Tote

Insgesamt wurden den Vereinten Nationen (UN) zufolge bislang mehr als 50 Demonstranten getötet. Bürgerrechtsgruppen sprechen zudem von über 1700 Festnahmen. Seit dem Militärputsch am 01. Februar ist Myanmar in Aufruhr. Polizei und Militär gehen zunehmend härter gegen die anhaltenden Massenproteste vor. Die Demonstranten fordern die Freilassung und Wiedereinsetzung der gestürzten De-Facto-Regierungschefin Suu Kyi und die Anerkennung der Wahl vom November. Die Militärmachthaber sprechen dagegen von Wahlbetrug. (reuters)