Moskau/Washington. Der Streit zwischen Russland und den USA verschärft sich. Nachdem US-Präsident Joe Biden seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin als Mörder bezeichnet hat, kündigte Moskau am Donnerstag eine Überprüfung der Beziehungen zu den USA an. Bidens Äußerungen seien sehr schlecht und beispiellos, sagte Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow.

Putin selbst reagierte gelassen. "Was die Äußerungen meines amerikanischen Kollegen angeht, so sind wir wirklich, wie er sagte, persönlich miteinander bekannt: Was ich ihm antworten würde? Ich würde ihm sagen: Bleiben Sie gesund! Ich wünsche ihm Gesundheit", sagte der russische Präsident. Seine Wünsche für Biden seien "ohne Ironie und ohne Scherz", betonte Putin bei einer Videoschaltung mit Bürgern auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim, die ihren siebenten Jahrestag des "Beitritts" zu Russland feierte. Der Kremlchef sagte bei dem Online-Treffen auch, dass Russland zur Zusammenarbeit mit den USA bereit sei - allerdings gemäß seinen eigenen Interessen.

Zuvor hatte Peskow gemeint, die Aussagen zeigten, dass Biden kein Interesse an einer Verbesserung der Beziehungen habe. Daher werde man über das Verhältnis zueinander nachdenken.

Im russischen Parlament wurden bereits Forderungen nach einer US-Entschuldigung laut. Die angekündigte Rückbeorderung des russischen US-Botschafters Anatoli Antonow zu Beratungen in Moskau sei vermutlich nicht der letzte Schritt, wenn keine Erklärung oder Entschuldigung von amerikanischer Seite folge, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Oberhauses, Konstantin Kosatschjow.

Biden hatte das Wort "Killer" ("Mörder") zwar nicht direkt in den Mund genommen, antwortete aber in einem am Mittwoch ausgestrahlten Interview des TV-Senders ABC News auf die Frage, ob er denke, dass der russische Präsident ein Killer sei: "Das tue ich." Er beschrieb Putin zudem als seelenlos und drohte ihm mit Konsequenzen für eine angebliche Einmischung Russlands in die US-Wahl im November.

Die Beziehungen zwischen den beiden Großmächten sind seit einiger Zeit deutlich abgekühlt. Zuletzt sorgten der Giftanschlag auf den Kreml-Kritiker Alexej Nawalny und dessen Inhaftierung für zusätzliche Spannungen. Die USA drohten mit neuen Sanktionen, auch wegen Vorwürfen der US-Geheimdienste. Die werfen nämlich in einem neuen Bericht Russland zudem Einmischung in die Präsidentschaftswahl zugunsten von Bidens Vorgänger Donald Trump vor. Russland bestreitet dies vehement.