Die US-Regierung möchte Migranten stärker von der Einwanderung in die Vereinigten Staaten abhalten. Die Botschaft laute nicht: "Kommt nicht jetzt", sondern: "Kommt nicht auf diese Weise, niemals", sagte Roberta Jacobson, Koordinatorin des Weißen Hauses für die südliche US-Grenze, am Donnerstag (Ortszeit) in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. "Der Weg, um in die Vereinigten Staaten zu kommen, führt nur über legale Rechtswege."

Sie betonte, dass es die Politik der Vereinigten Staaten sei, illegal einreisende Migranten auszuweisen, mit Ausnahme von unbegleiteten Kindern. "Wir werden aggressiver und flexibler vorgehen, um unsere Botschaft zu verbreiten." Dafür werde man auch soziale Medien, Radio und Nichtregierungsorganisationen in Guatemala, El Salvador und Honduras nutzen.

Bidens Appell: "Kommt nicht!"

Die Regierung ringt mit einer zunehmenden humanitären Krise an der südlichen Landesgrenze. Die US-Regierung hat seit der Amtsübernahme von Präsident Joe Biden am 20. Jänner die Politik der Abschottung der Südgrenze seines Vorgängers Donald Trump zum Teil zurückgedreht. Seither ist die Zahl der ankommenden Migranten und Flüchtlinge deutlich gestiegen, darunter sind auch viele unbegleitete Minderjährige. Ein Großteil der Migranten flüchtet vor Armut und Gewalt sowie den Folgen verheerender Stürme aus den mittelamerikanischen Ländern Guatemala, Honduras und El Salvador.

Biden hatte am Dienstag an die Migranten appelliert: "Kommt nicht". US-Heimatschutzminister Alejandro Mayorkas erklärte, die Zahl der Migranten könnte auf den höchsten Stand seit 20 Jahren steigen. Die meisten alleinstehenden Erwachsenen und Familien würden wieder ausgewiesen, unbegleitete Kinder aber nicht.

Die US-Behörden haben Mühe, die wachsende Zahl unbegleiteter Kinder unterzubringen. Viele von ihnen sitzen seit Tagen in gefängnisähnlichen Grenzstationen fest.

Derzeit sind gut 14.000 unbegleitete minderjährige Migranten und Flüchtlinge in der Obhut von US-Behörden, nachdem sie über die südliche Grenze ins Land gekommen sind. Aktuell würden 9.562 Kinder vom Heimatschutzministerium betreut und rund 4.500 von der Grenzschutzbehörde CBP, erklärten ranghohe Beamte der US-Regierung. "Unser oberstes Ziel ist es, unbegleitete Kinder so schnell wie möglich mit einem Angehörigen oder Sponsor in den Vereinigten Staaten zu vereinen", sagte eine Beamtin.

Hoffnung für bereits Angekommene: Dreamer und Farmarbeiter

Trotz des schärferen Tons in der Einwanderungspolitik hat das Repräsentantenhaus am Donnerstag (Ortszeit) zwei Gesetzesentwürfe verabschiedet. Sie könnten für minderjährige Einwanderer mit dem Spitznamen "Dreamer" sowie für Farmarbeiter den Weg zur Staatsbürgerschaft freimachen. Beide Einwanderergruppen leben bisher illegal in den Vereinigten Staaten.

"Wir können nicht weiter warten", schrieb Biden auf Twitter. "Ich fordere den Kongress auf, zusammenzukommen, um langfristige Lösungen für unser gesamtes Einwanderungssystem zu finden, damit wir ein sicheres, geordnetes und humanes Einwanderungssystem schaffen und die Grundursachen der Migration angehen." Die Gesetzesentwürfe gehen nun in den tief gespaltenen Senat. (apa,reuters,dpa)