Miami. Es fühlt sich an wie ein Leben ohne Corona: Die Sonne scheint, die Palmen wiegen sich im Wind, der Sandstrand lockt tausende Urlauber an. Einkäufer bummeln ohne Masken, die Bars sind gut gefüllt. Vor allem Studenten sind in ihren Semesterferien, der sogenannte Spring Break, aus dem ganzen Land in Scharen an die Strände des warmen Bundesstaats gepilgert, um Erholung zu finden und ausgelassene Partys zu feiern. Alkohol und laute Musik gibt es im Überfluss, Masken zur Infektionskontrolle sind dagegen Mangelware. Doch eines ist klar: Das Coronavirus feiert mit.

Experten befürchten, dass rückkehrende Urlauber die Pandemie erneut entfachen könnten. Miami Beach hat inzwischen den Notstand ausgerufen. Eine abendliche Ausgangssperre und mehr Polizei sollen die Massen im Zaum halten. "Die Botschaft ist klar: verantwortungsbewusst Urlaub machen oder festgenommen werden", lautet die aktuelle Parole der Stadt. "Wir haben Null-Toleranz für öffentliche Trunkenheit, Straßenkämpfe, jegliche Diebstähle und die Nutzung illegaler Drogen."

"Unmögliche Lage"

Die Mischung aus Bikini-Wetter, Musik, reichlich Alkohol und vielen gleichgesinnten Partygängern lieferte am vergangenen Wochenende schockierende Bilder. Die Feten waren zeitweise so aus dem Ruder gelaufen, dass die Polizei auch Pfefferspray einsetzte, um die Menge auseinanderzutreiben. Es gab Schlägereien, Dutzende wurden festgenommen.

"Es ist eine unmögliche Lage", klagte Bürgermeister Dan Gelber im Sender ABC. "Es scheint so, als wären wir das einzige Urlaubsziel im ganzen Land, das offen ist, deswegen kommen zehntausende Menschen hierher." Der Notstand soll nun bis 11. April gelten, wenn die Semesterferien überall zu Ende gehen. Die Feiernden hätten meist keine Masken getragen und sich nicht an Abstandsregeln gehalten, sagte Gelber. Die örtliche Polizei meldete für die vergangenen sechs Wochen bereits mehr als 1.050 Festnahmen, in mehr als 100 Fällen seien auch Waffen beschlagnahmt worden. Ein Fall schockierte die Stadt: Zwei jungen Männern wird vorgeworfen, eine 24-jährige Urlauberin in einem Hotel unter Drogen gesetzt und vergewaltigt zu haben. Danach stahlen sie ihre Kreditkarten und feierten weiter, die junge Frau wurde später tot in ihrem Zimmer gefunden, wie der "Miami Herald" berichtete.

Im Südzipfel der Stadt im Bereich der Partymeile rund um den Ocean Drive gilt nun ab 20 Uhr eine Ausgangssperre, die von der Polizei durchgesetzt wird. An den Stränden darf ganztags kein Alkohol mehr konsumiert werden. Die Brücken, um von Miami kommend in die Stadt Miami Beach zu gelangen, werden nachts weitestgehend gesperrt.

"Spring Break" gehört zu den Ritualen des Studentenlebens in den USA. Für die "Frühlingspause", also jene Ferien, die meist in den Zeitraum von Februar bis Mitte April fallen, reisen Studenten in Scharen an Strandorte, die für gute Partys, üppiges Flirtpotenzial und reichlich Alkohol stehen. In den USA gibt es in der Pandemie kein Beherbergungsverbot, Inlandsreisen unterliegen kaum Beschränkungen. Geführt vom republikanischen Gouverneur Ron DeSantis, gehört Florida zudem zu jenen US-Staaten, die stolz darauf sind, ihren Bürgern trotz der Pandemie nur wenige Auflagen zuzumuten. Trotz des Flehens der Bundesregierung haben zuletzt auch viele US-Staaten damit begonnen, ihre Corona-Auflagen zurückzunehmen.(dpa)