Pjöngjang. Nach der Kritik von Joe Biden am jüngsten Raketentest Nordkoreas hat das international isolierte Land dem US-Präsidenten "Provokation" vorgeworfen. Mit dem Test habe Nordkorea sein Recht auf Selbstverteidigung ausgeübt, hieß es am Samstag in einer Erklärung. Biden habe den ersten Schritt falsch gemacht. Die europäischen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats forderten inzwischen eine nicht-öffentliche Sitzung des Gremiums zu dem Vorfall gefordert.

Die Vetomächte Frankreich und Großbritannien sowie die nicht-ständigen Sicherheitsratsmitglieder Irland, Estland und Norwegen beantragten die Sitzung für Dienstag. Überdies habe ein Ausschuss zu den UNO-Sanktionen gegen Nordkorea seine Experten um eine Untersuchung des neuerlichen Raketentests gebeten, führten die Diplomaten aus.

"Die neue US-Regierung hat den ersten Schritt falsch gemacht

Der Sekretärs des Zentralkomitees der herrschenden Arbeiterpartei, Ri Pyong-chol, sagte zur Kritik aus den USA: "Ich denke, dass die neue US-Regierung offensichtlich den ersten Schritt falsch gemacht hat." Ri äußerte den von Pjöngjang üblich gemachten Vorwurf gegen die USA, eine feindselige Politik zu verfolgen und Nordkorea militärisch zu bedrohen. Bidens Worte seien ein "unverhohlener Übergriff auf das Recht unseres Staats auf Selbstverteidigung und eine Provokation".

Nordkorea hatte nach Angaben Südkoreas und Japans am Donnerstag an seiner Ostküste zwei ballistische Kurzstreckenraketen in Richtung offenes Meer abgefeuert. Nordkorea sprach einen Tag später von einem gelungenen Test mit einem neuen Typ taktischer Lenkraketen.

Biden hatte den Test als Verstoß gegen UNO-Resolutionen verurteilt, die Nordkorea die Erprobung von ballistischen Raketen jeglicher Reichweite verbieten. Solche Raketen können je nach Bauart auch einen Atomsprengkopf tragen. Die Verhandlungen der USA mit Nordkorea über dessen Atomwaffenprogramm liegen derzeit auf Eis.

Nordkorea, das bereits mehrere Atomtests durchgeführt hat, treibt sein Raketenprogramm seit vielen Jahren voran. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung von ballistischen Raketen einschließlich Langstreckenraketen, die die USA erreichen könnten.

Nordkorea darf laut mehreren Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats keine ballistischen Raketen entwickeln und steht wegen seiner Waffenprogramme unter internationalen Sanktionen. Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hatte in den vergangenen Jahren auf eine Annäherung an Bidens Vorgänger Donald Trump gesetzt, um eine Aufhebung von Sanktionen zu erreichen. Die Verhandlungen zwischen Washington und Pjöngjang über einen Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms liegen aber bereits seit Februar 2019 auf Eis. (apa/dpa/afp)