Weitere 250.000 Dosen des russischen Impfstoffs Sputnik V sind in Ungarn eingetroffen. Das gab Außenminister Péter Szijjártó am heutigen Mittwoch auf Facebook bekannt. Bisher seien 1,1 Millionen der bestellten zwei Millionen Dosen geliefert worden. Ohne diese Lieferungen "hätten wir riesige Probleme", betonte der Minister und kritisierte erneut Brüssel für die schleppende Impfstoffbeschaffung.

Ungarn war das erste EU-Land, das im Alleingang den russischen Impfstoff kaufte, obwohl dieser in der Europäischen Union bisher keine Zulassung erhielt. Ungarn würde die Bestellung in drei Tranchen erhalten, betonte Szijjarto am 22. Jänner nach der Vertragsunterzeichnung und Gesprächen mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow in Moskau. Zwei Tage zuvor hatte die ungarische Arzneimittelbehörde Sputnik V eine Notfallzulassung erteilt. Dies führte hinsichtlich der Sicherheit des Impfstoffs zu Bedenken bei Experten. Sie hatten der ungarischen Behörde nahelegt, Sputnik V nicht vor den Prüfungen von dessen Sicherheit und Wirksamkeit zu genehmigen.

Skepsis gegenüber Sputnik V

Auch in der Bevölkerung gab es große Skepsis gegenüber Sputnik V. Im Jänner waren nur zwei Prozent der Ungarn laut Umfrage bereit, sich den russischen Impfstoff spritzen zu lassen. Das Vertrauen der Vakzine gegenüber hat sich seitdem allerdings erhöht. Laut dem Meinungsforschungsinstitut Median seien es bereits 43 Prozent der Befragten, die Sputnik V akzeptieren würden.

Der Einsatz des russischen Impfstoffs hatte in Ungarn auch eine politische Debatte ausgelöst. Vorbehalte der Opposition gegen das in der EU bisher nicht zugelassene Vakzin wurde seitens der Regierung als Anti-Impfkampagne abgetan. Die Opposition hatte gefordert, nur von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) zugelassene Impfstoffe in Ungarn einzusetzen und die Regierung bezichtigt, die Gesundheit der Bürger für politische und wirtschaftliche Interessen zu gefährden. Dem rechtsnationalen Ministerpräsidenten Viktor Orbán wurde zudem vorgeworfen, mit der Zulassung des russischen Impfstoffs im Schatten seines Streites mit der Europäischen Union hinsichtlich der Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit auch politische Ziele zu verfolgen.

SputnikV und Sinopharm nicht von EMA zugelassen

Ungarn war das erste EU-Land, das mit dem russischen Vektorimpfstoff Sputnik V und dem Impfstoff der chinesischen Sinopharm - einem Mittel mit inaktivierten Viren - zwei von der EMA bisher noch nicht zugelassene Vakzine gegen Covid-19 zuließ. Mittlerweile wurden bereits 2,6 Mio. Impfdosen in Ungarn verimpft. Damit haben nach Angaben der EU-Behörde ECDC bereits 23,7 Prozent der impfbaren Bevölkerung zumindest einen Erststich erhalten. Bei der Durchimpfung liegt damit das Land im EU-Vergleich nach Malta an zweiter Stelle. Gleichzeitig ist laut der Webseite OurWorldInData die tägliche Zahl der Todesfälle in Ungarn im 7-tägigen Durchschnitt mit 25,61 Toten pro Millionen Einwohner im EU-Vergleich weiterhin extrem hoch (EU-Durchschnitt 5,62, Österreich 2,97). Das Land belegt auch bei den Corona-Neuinfektionen einen Spitzenplatz. (apa)