Als in der Nacht zum 14. Juli 2015 im Wiener Palais Coburg eine Einigung auf ein Atomabkommen mit dem Iran zustande kommt, sind Superlative schnell zur Hand. Von einem historischen Vertrag ist die Rede und von einem Sieg der Diplomatie.

Nur drei Jahre später folgt freilich die Ernüchterung. Unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump kündigen die USA 2018 das Abkommen, das den Iran vom Bau einer Atombombe abhalten soll, einseitig auf und verhängen wieder harte Wirtschaftssanktionen gegen die islamische Republik. Diese reagiert, indem die Verpflichtungen des Atomvertrags Schritt für Schritt ausgesetzt werden. So wird etwa die Uran-Anreicherung im Land wieder hochgefahren.

Nun, da das Atomabkommen nur noch ein Schatten seiner selbst ist, kommen die Verhandler erneut nach Wien. Am kommenden Dienstag wollen hier die Vertreter der verbliebenen Vertragspartner Russland, China, Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Irans persönlich darüber beraten wie der Vertrag wiederbelebt werden kann. Die Gespräche seien durchaus konstruktiv, schrieb der Botschafter Russlands bei der internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Michail Uljanow, am Freitag auf Twitter nach Ende eines virtuellen Treffens der Verhandler. "Der Eindruck ist, dass wir auf einem guten Weg sind, doch die vor uns liegende Strecke wird nicht leicht werden und erfordert intensive Bemühungen." Die Bereitschaft dazu sei jedenfalls da.

Nach Wien sollen auch US-Vertreter kommen. Doch derzeit sind höchstens indirekte Kontakte über Mittelsleute geplant. Für den Iran sei ein direktes Gespräch mit den USA derzeit nicht möglich, hieß es aus diplomatischen Kreisen. Teheran sei in dieser Haltung sehr fest. "Ich gehe von durchaus schwierigen Gesprächen aus", sagte ein europäischer Diplomat.

Trumps Nachfolger Joe Biden hatte in den vergangenen Monaten immer wieder Interesse an einer Rückkehr zum Atomabkommen signalisiert, verlangt aber zuvor, dass der Iran seine Verpflichtungen wieder einhält. Der Iran hat ebenfalls Verhandlungsbereitschaft angedeutet, fordert aber, dass die USA zuvor ihre Sanktionen aufheben.

Das US-Außenministerium begrüßte das Treffen der fünf verbliebenen internationalen Vertragspartner. "Wir machen seit Wochen klar, dass wir bereit sind, zu einer Einhaltung unserer Verpflichtungen unter dem JCPOA zurückzukehren, wenn Iran dies ebenfalls tut", sagte Sprecher Ned Price. Man suche nach dem besten Weg, dies durch kleine Schritte auf Gegenseitigkeit zu erreichen sei. Dabei setze man auch auf indirekte Gespräche mit Hilfe der europäischen Partner. (apa)