Der Iran blickt positiv auf die neuen Atomgespräche ab Dienstag in Wien. Das Treffen ist der erste ernsthafte Versuch nach Amtsübernahme von US-Präsident Joe Biden, das Atomabkommen mit dem Iran aus dem Jahr 2015 zu retten. Ex-US-Präsident Donald Trump hatte im Mai 2018 einseitig die Vereinbarung aufgekündigt.

"Wir sind dabei, aus der Sackgasse rauszukommen", sagte Irans Atomchef Ali Akbar Salehi. Der Grund dafür sei, dass die Agenda der Verhandlungen nicht mehr politisch, sondern technisch und sachlich verfolgt werde.

Die Weichen für das Wiener Treffen wurden am Karfreitag während einer Videokonferenz von Vertretern des Iran und der fünf verbliebenen Vertragspartner des Wiener Atomabkommens - China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Russland - gestellt. Dabei einigten sich alle sechs Parteien, die Verhandlungen zur Rettung des Atomdeals sowie eine mögliche Rückkehr der Vereinigten Staaten fortzusetzen. Zunächst treffen sich ab Dienstag politische Direktoren und Expertenteams.

Indirekte Verhandlungen zwischen USA und Iran?

Nach Wien sollen auch US-Vertreter kommen. Doch sind dem Vernehmen nach höchstens indirekte Kontakte über Mittelsleute geplant. Jedoch wies Irans Vizeaußenminister Abbas Araqchi Medienberichte über indirekte Verhandlungen zurück: "Wir werden in Wien weder direkt noch indirekt mit den USA sprechen."

"Wir rechnen momentan nicht damit, dass es bei diesem Prozess direkte Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran geben wird, obwohl wir dafür sicherlich weiter bereit sind", sagte Jen Psaki, die Sprecherin von US-Präsident Joe Biden. Ihr zufolge sollten die Gespräche auf Arbeitsebene klären, welche Schritte der Iran beim Ausbau seines Atomprogramms zurücknehmen müsste und welche Sanktionen die USA aufheben müssten, um eine Rückkehr zu dem Abkommen zu ermöglichen.

Ein EU-Vertreter rechnet mit einer Dauer der Bemühungen von mehr als zwei Wochen, aber weniger als zwei Monaten. Das "Wall Street Journal" berichtete, dass der Iran und die USA zuerst eine Vereinbarung aushandeln, welche Maßnahmen beide Seiten in welchem Zeitrahmen unternehmen, um zur ursprünglichen Vereinbarung von 2015 zurückzukehren.

Den aus iranischer Sicht geplanten Ablauf des Treffens in Wien beschrieb Vizeaußenminister Araqchi wie folgt: "Wir werden nur mit der 4+1 (die verbliebenen Vertragspartner) rein technische Gespräche über eine Rückkehr der USA zum Deal führen." Die Vertreter der fünf Staaten sollen dann die Ergebnisse an die USA weiterleiten. "Wie sie das tun, ob sie erfolgreich sein werden oder nicht, das alles ist ihre Angelegenheit und nicht unsere", so der Vizeminister.

Der Iran übertrug den USA die Verantwortung für den Erfolg: "Die Politik des Iran diesbezüglich ist klar und einfach: Die USA müssen zum Wiener Atomabkommen zurück, den Deal vertragsgerecht erfüllen und dementsprechend auch die Sanktionen gegen den Iran aufheben", sagte Araqchi im Staatsfernsehen. Sobald dies der Fall sei, werde sich auch der Iran wieder an die Abmachungen im Deal halten, so der Vizeminister und Leiter der iranischen Delegation bei den Gesprächen in Wien.

Diskreditierung als "Schuss ins Knie"

Dass die Gespräche wieder in der österreichischen Hauptstadt stattfinden, wo das Atomabkommen maßgeblich ausverhandelt und unterzeichnet worden war, begrüßte naturgemäß Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP): "Das ist ein Vertrauensbeweis in Österreich als Ort des Dialogs und vor allem ein willkommenes Lebenszeichen der diplomatischen Bemühungen um eine Überwindung der Pattstellung rund um das iranische Atomprogramm."

In einer Gesprächsrunde auf der Audio-Plattform Clubhouse bezeichnete Irans Atomchef Ali Akbar Salehi das Wiener Atomabkommen als einen strategisch wichtigen Vertrag für den Iran. "Mit einer Diskreditierung des Abkommens würden wir uns nur ins eigene Knie schießen", sagte Salehi. Um den Deal zu retten, seien Verhandlungen nötig, "auch damit die Mauer des Misstrauens (zwischen dem Iran und dem Westen) immer kleiner wird", so der Vizepräsident und Chef der iranischen Atomorganisation.