Die bisher größte Oppositionspartei in Grönland, Inuit Ataqatigiit (IA), hat die vorgezogenen Neuwahlen auf der Nordatlantik für sich entschieden. IA (Anm.: grönländisch für "Gemeinschaft der Inuit" bzw. "Gemeinschaft der Menschen") erreichte am Dienstag 36,6 Prozent der insgesamt über 41.000 Wählerstimmen und überholte damit die bisherige Regierungspartei Siumut. Letztere verlor über 10 Prozentpunkte und kam diesmal nur auf 29,4 Prozent der Stimmen.

Die linksgerichtete IA unter ihrem 35-jährigen Chef Mute B. Egede hat sich im Wahlkampf dezidiert gegen ein geplantes großes Bergbauprojekt im Süden Grönlands ausgesprochen, das von australischen und chinesischen Investoren betrieben wird. Die sozialdemokratische Siumut legte sich kurz vor den Wahlen fest, das umstrittene Projekt in Kuannersuit, wo Seltene Erden und Uran abgebaut werden sollen, zu unterstützen.

Inuit Ataqatigiit landen Coup

Auch bei den gleichzeitig stattgefundenen Kommunalwahlen gelang IA ein Coup. Sie konnte den Sozialdemokraten den wichtigen Bürgermeisterposten in der südgrönländischen Gemeinde Kujalleq abknöpfen und stellt nun drei der fünf Gemeindevorsteher in Grönland.

Jedenfalls dürfte es klar sein, dass erst zum zweiten Mal seit der Autonomie von Dänemark im Jahr 1979 Siumut nicht den Regierungschef stellen wird. Nicht klar ist hingegen, wie die neue Regierung zusammengesetzt sein wird. Darüber will sich Parteichef Egede in den kommenden Tagen in Sondierungsgesprächen in Nuuk Klarheit verschaffen.

IA verfügt nach ihrem Wahlsieg über zwölf (bisher acht) der 31 Mandate im Parlament in Nuuk (Inatsisartut). Für die Mehrheit braucht eine Regierung somit 16 Mandate. Die zweite Bergbau-kritische Partei, Naleraq, erreichte bei der Wahl genau diese fehlenden vier Mandate. Beobachter sehen diese Variante jedoch nicht als selbstverständlich an, da die beiden Parteien in anderen Fragen verschiedene Positionen vertreten.

Eine mögliche Große Koalition zwischen IA und Siumut, die trotz der Niederlage nun zehn statt wie bisher neun Angeordnete stellt, gilt wegen der Bergbau-Frage und den jüngsten inneren Querelen bei den Sozialdemokraten als eher unwahrscheinlich. Theoretisch könnten auch die sozialliberalen Demokraatit (drei statt bisher sechs Mandate) und die konservative Atassut bei der Regierungsbildung berücksichtigt werden. Insgesamt gibt es jetzt nur mehr fünf statt wie bisher sieben Parteien im Parlament.

Weichenstellung in Bergbau-Frage

Die Wahlen in Grönland wurden international vor allem wegen der nun möglicherweise erfolgten Weichenstellung über künftige Abbau-Projekte von Bodenschätzen auf der geografisch zu Nordamerika zählenden Insel mit großem Interesse verfolgt.

Gleichzeitig rückte Grönland wegen seiner teils nur vermuteten Bodenschätze, aber auch wegen seiner strategischen Lage bei der verkehrsmäßigen Erschließung der Arktis in den vergangenen Jahren verstärkt in den Mittelpunkt geopolitischer Interessen. Insbesondere chinesische Investitionen in Grönland sind vor allem den USA und Dänemark ein Dorn im Auge. Der ehemalige US-Präsident Donald Trump erregte vor knapp zwei Jahren weltweit ungläubiges Staunen, als er anbot, Grönland Dänemark abkaufen zu wollen. Kopenhagen lehnte höflich, aber bestimmt ab.

Grönland mit seinen über 56.000 Einwohnern, die zu 90 Prozent der Volksgruppe der Inuit angehören, ist als dänisches Überseegebiet autonom und gehört nicht der Europäischen Union an. (apa)