Der konservative Banker Guillermo Lasso hat die Präsidentenwahl in Ecuador gewonnen. Der 65-Jährige kam nach der Auszählung fast aller Stimmen auf rund 52,4 Prozent, wie das Wahlamt in der Nacht auf Montag mitteilte. Der Linkskandidat Andrés Arauz erhielt bei der Stichwahl etwa 47,6 Prozent der Stimmen. "Danke Ecuador für die Unterstützung an den Urnen", schrieb Lasso auf Twitter. Kolumbiens Präsident Iván Duque und Uruguays Staatschef Luis Lacalle Pou gratulierten ihm.

Für Lasso war es bereits die dritte Präsidentschaftskandidatur. "Seit Jahren habe ich davon geträumt, den Ecuadorianern dienen zu dürfen, damit das Land vorankommt und wir alle ein besseres Leben führen können", sagte er nach Angaben der Zeitung "El Universo" vor seinen Anhängern in einem Veranstaltungszentrum in der Wirtschaftsmetropole Guayaquil. "Heute habt ihr das möglich gemacht. Es beginnt eine Epoche des Zusammenkommens."

Lasso wird sein Amt am 24. Mai antreten. Er versprach, ein Präsident für alle Bürger zu sein. "Ich kommen nicht mit einer Liste, wer verfolgt und ins Gefängnis kommen soll. Ich möchte, dass Sie keine Angst vor der Regierung haben oder davor, eine andere Meinung als der Präsident zu haben."

Arauz räumte seine Niederlage ein. "Das war ein Scheitern bei den Wahlen, aber keine politische oder moralische Niederlage", sagte der Zögling des früheren Präsidenten Rafael Correa vor seinen Anhängern. Er kündigte an, seinen Rivalen Lasso anrufen und ihm zum Wahlsieg zu gratulieren. "Herr Lasso, ich lade Sie dazu ein, den Rechtsstaat zu achten. Der Hass schafft nichts. Lassen Sie uns demokratisch diskutieren."

"Sozialismus des 21. Jahrhunderts"

Die beiden Kandidaten stehen an entgegengesetzten Enden des politischen Spektrums: Arauz repräsentiert den "Sozialismus des 21. Jahrhunderts", den der 2013 verstorbene Linkspopulist Hugo Chávez mit Unterstützung Kubas von Venezuela aus propagierte, Lasso dagegen für eine liberale Wirtschaftspolitik. Er will Arbeitsplätze schaffen und ausländische Investoren anlocken.

Lasso ist Mitglied der ultrakonservativen katholischen Vereinigung Opus Dei und spricht sich strikt gegen gleichgeschlechtliche Ehen sowie Abtreibung aus. Dennoch versprach er, lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intersexuelle Menschen nicht zu diskriminieren: "Ich werde Sie beschützen, um zu verhindern, dass Sie stigmatisiert werden."

Das südamerikanische Land mit seinen rund 17 Millionen Einwohnern steckt wegen des Verfalls der Ölpreise und der Corona-Pandemie in einer tiefen Wirtschaftskrise. Der bisherige Präsident Lenín Moreno war zuletzt in der Wählergunst stark abgerutscht und hatte sich gar nicht erst zur Wiederwahl gestellt. (apa, dpa)