Spätestens bis zum 11. September 2021 sollen die verbliebenen US-Soldaten in Afghanistan heimgeholt werden. Das Datum markiert den 20. Jahrestag der Terrorangriffe unter anderem auf das World Trade Centre in New York, die der Anlass für den jahrzehntelangen Kriegseinsatz der USA waren.

"Es ist an der Zeit, Amerikas längsten Krieg zu beenden. Es ist an der Zeit, dass die amerikanischen Truppen nach Hause kommen", erklärte US-Präsident Joe Biden am Mittwoch. Die USA brechen sämtliche militärische Zelte in Afghanistan ab, aber Washington wolle die "diplomatische und humanitäre Hilfe" für das Land und seine Regierung weiterlaufen lasse.

US-Außenminister Antony Blinken verteidigte die Entscheidung Bidens: Man habe gemeinsam mit den Verbündeten die Ziele erreicht, die man sich gesteckt habe, sagte er am Mittwoch am Rande eines Gespräches mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in der Bündniszentrale in Brüssel. Zuvor hatte es aus Afghanistan scharfe Kritik an der Rückzugsentscheidung gegeben.

Es sei das "Verantwortungsloseste und Egoistischste", was Amerika seinen afghanischen Partnern habe antun können, sagte ein Mitglied des Verhandlungsteams bei den Friedensgesprächen in Doha, der Deutschen Presse-Agentur.

Am Dienstag war bekannt geworden, dass die USA als größter Truppensteller in Afghanistan ihre Soldaten ohne weitere Bedingungen zum 11. September abziehen wollen. Als Hauptziel des Nato-Einsatzes in Afghanistan galt, dass das Land nie wieder ein Rückzugsort für Terroristen wird, die Nato-Länder angreifen können. Blinken war nach Brüssel gereist, um bei den Nato-Partnern um Verständnis für die Rückzugsentscheidung zu werben.

"Gemeinsam wieder raus"

Mit der Entscheidung Washingtons setzt ein Domino-Effekt ein. Deutschland machte gleich klar, dass bei einem US-Abzug auch die rund 1.000 deutschen Soldaten das Land verlassen werden. "Wir haben immer gesagt: Wir gehen gemeinsam rein, wir gehen gemeinsam raus", so Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Bei Deutschland allein wird es nicht bleiben. Ein Top-Diplomat erklärte, dass auch die anderen ausländischen Truppen unter Nato-Kommando sich in diesem Szenario aus Afghanistan zurückziehen werden. Dabei handelt es sich neben den 2.5000 US-Militärs noch um rund 7.000 weitere Soldaten, vor allem aus Nato-Mitgliedern, aber auch Australien, Neuseeland, Georgien - und Österreich. Das Bundesheer beteiligt sich aktuell mit 16 Soldaten an der Mission "Resolute Support" (RSM). Die Soldaten sollen die demokratisch gewählte Regierung in ihrem Kampf gegen islamistische Extremisten unterstützen.

Unter Bidens Vorgänger Donald Trump hatte Washington mit den Taliban einen Abzug bis zum 1. Mai vereinbart. Im Gegenzug gingen die Taliban mit der Regierung in Kabul direkte Friedensgespräche ein, die seit September im Golfemirat Katar laufen. Diese brachten allerdings bisher kaum nennenswerte Fortschritte.

Ein US-Regierungsvertreter sagte, der US-Abzug sei nicht an Bedingungen geknüpft, weil ein solcher Ansatz nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre dazu führe, "für immer in Afghanistan zu bleiben". Eine Expertengruppe des US-Kongresses hatte empfohlen, dass sich die USA erst zurückziehen, wenn die Taliban ihre Verpflichtungen erfüllt hatten.(red./reuters/dpa/apa)