Wie alles genau begonnen hat und wer nun tatsächlich den allerersten Schritt gemacht hat, ist bis heute umstritten. Fest steht aber, dass das Trainingsmatch zwischen dem damals 19-jährigen Amerikaner Glenn Cowan und dem chinesischen Spieler Liang Geliang nach einer gemeinsamen Busfahrt bei den Tischtennisweltmeisterschaften im japanischen Nagoya im Jahr 1971 alles verändert hat.

Die Nachricht über das Trainingsspiel machte die Runde. Und am letzten Tag der Weltmeisterschaft lud Chinas Regierung plötzlich die US-Mannschaft in die bis dahin abgeschottete Volksrepublik ein. Nachdem es seit der Machtübernahme durch die Kommunisten im Jahr 1949 praktisch keinen Austausch zwischen den USA und China gegeben hatte, wurde das Eis nun mittels "Pingpong-Diplomatie" gebrochen.

50 Jahre nach jenem denkwürdigen Tag im April, als der Empfang der US-Tischtennisspieler in der Großen Halle des Volkes die Normalisierung der Beziehungen einleitete, ist das Verhältnis zwischen der alten und der neuen Supermacht allerdings auf einem Tiefpunkt. Der Handelskrieg und die erratische Politik, die Donald Trump bis zu seiner Abwahl als US-Präsident im November 2020 verfolgt hat, haben tiefe Spuren hinterlassen, die wohl nicht so schnell verschwinden werden. Vor allem auch deshalb nicht, weil sich auch unter Trumps Nachfolger Joe Biden kein grundsätzlicher Kurswechsel abzeichnet. Die Beziehungen sind von Misstrauen und geopolitischer Rivalität geprägt, in den umstrittenen Gebieten des Südchinesischen Meeres belauern sich sogar chinesische und amerikanische Kriegsschiffe.

Biden will Signal setzen

Dennoch könnte es, wenn kommende Woche 40 Staats- und Regierungschefs auf Einladung von Biden zu einem virtuellen Klimagipfel zusammenkommen, so etwas wie einen Pingpong-Moment geben. Denn sowohl in Peking als auch in Washington herrscht mittlerweile Konsens darüber, dass sich der Kampf gegen den Klimawandel nur dann gewinnen lässt, wenn auch die jeweils andere Seite mit an Bord ist. Und anders als bei anderen Themenfeldern funktionieren in diesem Bereich auch die diplomatischen Kanäle nahezu friktionsfrei. So ist etwa John Kerry, der als US-Klimaschutzbeauftragter in den vergangenen Monaten unzählige Video-Konferenzen und persönliche Treffen absolviert hat, um andere Länder zu höheren Treibhausgasreduktionszielen zu motivieren, am Donnerstag in Shanghai zu dreitätigen Verhandlungen mit seinem chinesischen Gegenüber eingetroffen.

Dass Kerry mit seiner unmittelbar vor dem Abflug aufgestellten Forderung, das Klimathema losgelöst von den aktuellen Spannungen zu behandeln, in China auf offene Ohren stößt, ist also nicht unrealistisch. Offen ist freilich, wie sehr die beiden größten Klimasünder sich gemeinsam bewegen werden. Biden, der die USA nach Trumps Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen wieder zum globalen Vorreiter im Kampf gegen die Erderwärmung machen möchte, will laut dem Weißen Haus aber noch vor dem Start des Gipfels am 22. April ein deutliches Signal setzen. Regierungskreisen zufolge wird der US-Präsident dabei in erster Linie ein neues nationales Emissionsreduktionsziel ankündigen, das wohl bei knapp 50 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2005 liegen wird. Aufbauen dürfte die neue Vorgabe vor allem auf jenem knapp 2 Billionen Dollar schweren Infrastrukturpaket, das Biden bereits präsentiert hat und mit dessen Hilfe Häuser besser gedämmt, Busse und Bahnen gefördert und die Umstellung des Autoverkehrs auf Strom vorangetrieben werden soll.


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Chinas Weg ist anders

Ein langfristiges Ziel im Kampf gegen die Erderwärmung hat freilich auch schon die Volksrepublik ausgegeben. Knapp drei Monate bevor sich die EU im Dezember 2020 mit minus 55 Prozent bis 2030 eine nochmals schärfere Vorgabe verordnet hatte, hatte Staatschef Xi Jinping bei der virtuellen UN-Generalversammlung den Weg Chinas zur Klimaneutralität im Jahr 2060 skizziert. Anders als bei den Europäern und den Amerikanern sieht der chinesische Plan allerdings keine tatsächliche Reduktion der Treibhausgase in den kommenden Jahren vor. So sollen bis 2030 die Emissionen zwar in Relation zum Wirtschaftswachstum weniger werden, eine echte Absenkung wird es aber erst nach Erreichen des Höhepunkts des CO2-Ausstoßes in knapp zehn Jahren geben.

Der Umbau zu einer klimaneutralen Wirtschaft könnte China zudem schwerer fallen als Europa oder den USA. Zwar wird nirgendwo so viel Geld in erneuerbare Energien investiert wie im Reich der Mitte, gleichzeitig ist aber auch die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen hier besonders hoch. So deckt China derzeit nicht nur etwa 60 Prozent seines Energiebedarfs durch Kohle, in den vergangenen Jahren wurden auch zahlreiche neue Kohlekraftwerke gebaut. Dass sich das ändern wird, ist zumindest für die nahe Zukunft nicht absehbar. So findet sich auch im eben erst verabschiedeten Fünfjahresplan für die Periode 2021 bis 2025 ein klares Bekenntnis für die "saubere und effiziente Verwendung" der Kohle.