Mehr als 23.000 Häftlinge hat die Militärregierung in Myanmar im Rahmen einer Amnestie anlässlich der traditionellen Neujahrsfeiern am Samstag freigelassen. Demokratieaktivisten, die im Zuge der Proteste gegen den Militärputsch am 1. Februar festgenommen worden waren, dürften aber kaum darunter sein. Die meisten dieser Freigelassenen seien vor dem 1. Februar inhaftiert worden, aber es seien auch einige darunter, die danach festgenommen worden seien, sagte der Sprecher der Gefängnisbehörde, Kyaw Tun Oo, der Nachrichtenagentur Reuters am Telefon. Auf die Frage, ob auch Häftlinge darunter seien, die im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Junta inhaftiert worden sein könnten, antwortete er, dass ihm keine Details über die Amnestien vorlägen.

Nach Angaben der Hilfsorganisation für politische Gefangene (AAPP) wurden im Zuge des Putsches mehr als 3100 Menschen festgenommen. Darunter ist auch die abgesetzte De-Facto-Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi.

Samstag ist der erste Tag des traditionellen Neujahrs in Myanmar und der letzte von fünf vorangehenden Feiertagen. Normalerweise werden die Neujahrsfeiern in Myanmar mit Zeremonien in buddhistischen Tempeln und bunten Straßenfesten begangen. Diesmal hat die Demokratiebewegung aber die Menschen dazu aufgerufen, darauf zu verzichten und stattdessen die Kampagne zur Wiedereinsetzung der gewählten Regierung voranzutreiben. Am Freitag hatten die Gegner des Militärs eine eigene Regierung ausgerufen. Ihr gehören abgesetzte Abgeordnete, Anführer der jüngsten Proteste und Vertreter der ethnischen Minderheiten im Land an. In Mandalay, der zweitgrößten Stadt des Landes, gingen laut Medienberichten Demonstranten zur Unterstützung dieser Regierung der Nationalen Einheit auf die Straße.

Die Junta gibt sich davon unbeeindruckt. Im Vorfeld des Asean-Gipfels am 24. April in der indonesischen Hauptstadt Jakarta, an dem auch Myanmars Militärchef Min Aung Hlaing teilnehmen soll, versuchen die Nachbarstaaten, die beiden Streitparteien zusammenzubringen und den Konflikt, der nach dem Militärputsch eskaliert ist, lösen zu helfen. (reuters)