Idriss Débys Tod kam überraschend. Der Langzeitherrscher des Tschads starb am Dienstag, als er anlässlich der schweren Zusammenstöße mit einer Rebellengruppe die Front besucht hatte. Die schwerbewaffneten Kämpfer der Bewegung "Front für Wandel und Eintracht im Tschad" (FACT) waren aus dem benachbarten Libyen in den Norden des Tschads eingedrungen und dann in Richtung der Hauptstadt N’Djamena vorgestoßen, um die Regierung zu destabilisieren. Am Montag hatte die Wahlkommission Débys erneuten Sieg mit 79,32 Prozent der abgegebenen Stimmen bei der Präsidentenwahl am 11. April verkündet. Dieser sollte Débys sechste Amtszeit einläuten.

Idriss Déby hatte sich gerade die sechste Amtszeit gesichert. Am Dienstag starb er bei einem Frontbesuch. - © reuters / Ammar Awad
Idriss Déby hatte sich gerade die sechste Amtszeit gesichert. Am Dienstag starb er bei einem Frontbesuch. - © reuters / Ammar Awad

Nach dem überraschenden Ableben von Déby hat die Militärelite des zentralafrikanischen Tschads allerdings blitzschnell reagiert. Unmittelbar nach der Verkündung der Todesnachricht wurde Débys Sohn, Mahamat Idriss Déby Itno, zum Nachfolger ernannt. Der General soll für die nächsten 18 Monate eine militärische Übergangsregierung führen.

Damit sichert sich die Militärführung, die während Débys 30-jähriger Amtszeit eine zentrale Rolle spielte, ihre Position an der Macht. Auch für die Rolle des Tschads in der G5-Sahel-Militärallianz, die den islamistischen Terrorismus in der Region bekämpft, signalisiert die Entscheidung Beständigkeit. Mahamat Idriss Déby hat in den vergangenen sieben Jahren die Eliteeinheit der tschadischen Armee geführt und arbeitete mit seinem Vater Hand in Hand.

"Solange sich Débys Sohn an der Macht hält, kann man davon ausgehen, dass es Kontinuität geben wird, innerhalb des Landes und auch, was die Beziehungen mit Frankreich und Europa betrifft" sagt Alexandre Raymakers, Afrikaexperte der Sicherheitsberatungsfirma Verisk Maplecroft.

Der Tschad ist ein für Europa strategischer Staat. Aufgrund seiner Hilfe im Kampf gegen Islamisten in der Sahel genoss Déby in Frankreich, bei Staatschefs der Sahelzone, aber auch den USA und der Europäischen Union hohes Ansehen. Déby, der in Frankreich als Pilot und in militärischer Taktik ausgebildet wurde, war auch ein wichtiger französischer Verbündeter bei der Eindämmung der Expansion des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi. Über Débys miserable Menschenrechtsbilanz wurde weitgehend hinweggesehen.

Débys gut trainierte Armee gilt als regionales Bollwerk gegen den Terrorismus. Im riesigen Sahelgebiet, das sich südlich der Sahara vom Atlantischen Ozean bis zum Roten Meer erstreckt, sind zahlreiche Terrorgruppen aktiv; einige haben dem Islamischen Staat (IS) oder dem Terrornetzwerk Al Kaida die Treue geschworen. Auch im benachbarten Nigeria half Déby bei der Bekämpfung der Terrormiliz Boko Haram.

Die frühere Kolonialmacht Frankreich hat in der Region rund 5.100 Soldaten seines Anti-Terror-Einsatzes "Barkhane" im Einsatz. Zu den G5-Staaten der Region gehören außer Tschad auch Mali, Niger, Mauretanien und Burkina Faso. Im benachbarten Mali ist zudem eine UNO-Friedensmission im Einsatz.

Die Bekämpfung von Terrorgruppen in der Sahelregion ist aber alles andere als einfach: Die Regierungen haben in den wüstenhaften Weiten außerhalb der Städte wenig Kontrolle. Die Terrorgruppen finden in diesen Ländern wegen der großen Armut, des schnellen Bevölkerungswachstums und des niedrigen Zugangs zu Bildung und Gesundheit fruchtbaren Boden für ihre Rekrutierungen.(dpa/rs)