Der israelische Geheimdienstminister Eli Cohen hat davor gewarnt, dass ein "Krieg sicher folgen" werde, wenn die Vereinigten Staaten und andere Mächte mit dem Iran ein Atomabkommen schließen, das Israel für ein schlechtes neues Abkommen halte. Cohen bekräftigte am Donnerstag gegenüber der Agentur Reuters die Position Israels, dass es sich nicht an eine diplomatische Übereinkunft gebunden fühle, und sagte: "Ein schlechtes Geschäft wird die Region in einen Krieg führen."

"Wer kurzfristige Vorteile sucht, sollte längerfristig aufpassen", sagte er gegenüber Reuters. "Israel wird es dem Iran nicht erlauben, Atomwaffen zu erlangen. Der Iran hat nirgendwo Immunität. Unsere Flugzeuge können überall Ziele im Nahen Osten erreichen - und sicherlich im Iran."

Wie das israelische Nachrichtenportal ynet unter Berufung auf Reuters weiter berichtete, traf US-Außenminister Antony Blinken am Donnerstag mit dem Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, Yossi Cohen, und Israels Botschafter Gilad Erdan sowie deren Mitarbeitern zusammen. Die israelischen Beamten äußerten laut einer informierten Quelle "tiefe Besorgnis" über die nuklearen Aktivitäten des Iran.

Das Treffen in Washington folgte auf Gespräche in dieser Woche zwischen dem nationalen Sicherheitsberater der USA, Jake Sullivan, und seinem israelischen Amtskollegen, bei denen die israelische Delegation ihre "Freiheit, gegen den Iran zu operieren" betonte, wenn sie es für richtig hielte, sagte die Quelle gegenüber Reuters.

Seit US-Präsident Joe Biden eine mögliche Rückkehr der USA zum Abkommen von 2015 zur Eindämmung des iranischen Atomprogramms ankündigte, das sein Vorgänger Donald Trump aufgekündigt hatte, hat Israel verstärkt gefordert, dass sensiblen iranischen Technologien und Projekten umfassendere Beschränkungen auferlegt werden müssten.

Verhandlungen in Wien

Das Treffen von Blinken und mit Mossad-Chef Cohen sowie dem israelischen Botschafter war das letzte einer Reihe hochrangiger Kontakte, die offenbar darauf abzielten, israelischen Beamten die Möglichkeit zu geben, ihre Bedenken bezüglich eines Atomdeals mit dem Iran zu äußern.

In Wien verhandeln derzeit Vertreter der verbliebenen Vertragspartner des Atomabkommens von 2015 über eine Wiederbelebung des Atomdeals, aus dem die USA 2018 ausgestiegen sind. Russland, China, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und der Iran suchen eine Verhandlungslösung zu finden. Direkte Gespräche zwischen dem Iran und den USA gibt es nicht. Über Mittelsmänner werden den beiden Seiten Vorschläge unterbreitet, die drei Expertenteams ausarbeiten. (apa)