Israels Präsident Reuven Rivlin hat am Mittwoch Oppositionschef Jair Lapid von der Zukunftspartei mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. Er habe mit Lapid gesprochen und diesem das Mandat erteilt, sagte Rivlin an seinem Amtssitz in Jerusalem. Der ehemalige Finanzminister habe die Unterstützung von 56 Parlamentsmitgliedern der 120 Mandatare. Es gebe aber noch "viele Schwierigkeiten", meinte Rivlin.

Zuvor war der amtierende rechtskonservative Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nach dem nicht eindeutigen Ergebnis der Parlamentswahl vom März mit der Bildung eines neuen Kabinetts gescheitert. Der 57-jährige Lapid hat nun 28 Tage Zeit, eine Koalition zu formieren.

Seine Zukunftspartei gehört zur politischen Mitte, sie wurde Ende März bei der vierten Parlamentswahl binnen zwei Jahren zweitstärkste Kraft. Damit steht das Lager der Gegner Netanjahus vor einer Chance, die Ära des 71-Jährigen als Regierungschef zu beenden. Ob dies gelingt, ist noch völlig offen. Eine Neuwahl ist weiterhin nicht ausgeschlossen.

Israel verharrt in seiner politischen Krise. Netanjahu ist seit zwölf Jahren durchgängig auf dem Premiersposten und der am längsten amtierende Regierungschef in Israels Geschichte. Gegen ihn läuft ein Korruptionsprozess. Er weist die darin erhobenen Vorwürfe zurück. (dpa/apa)