Im Nahen Osten haben militante Palästinenser und das israelische Militär ihre Kämpfe mit unverminderter Härte fortgesetzt. Den siebenten Tag in Folge feuerte die radikal-islamische Hamas am Sonntag aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel. Die israelische Luftwaffe flog weitere Angriffe und beschoss das Haus von Yahya al-Sinwar, Hamas-Chef im Gazastreifen. Nach palästinensischen Angaben starben über Nacht 26 Menschen. Die EU kommt am Dienstag zu einer Krisensitzung zusammen. Israels Militäreinsatz werde "so lange wie nötig weitergehen", hatte Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu am Samstagabend mitgeteilt. Man müsse zunächst die Infrastruktur der islamistischen Hamas zerstören.

Bei der Videokonferenz werde es darum gehen, wie "die EU am besten zu einem Ende der derzeitigen Gewalt beitragen" könne, teilte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell auf Twitter mit. Die Zahl der zivilen Opfer durch die gegenseitigen Angriffe bezeichnete er als "inakzeptabel".

Die israelische Armee veröffentlichte am Sonntag ein Twitter-Video, auf dem ein durch ein Bombardement zerstörtes Haus zu sehen war. In dem Gebäude in Khan Younis im Süden des Küstengebiets habe sich auch das Büro des Hamas-Chefs im Gazastreifen befunden, berichteten israelische Medien Sonntagfrüh. Es habe als "militärische Infrastruktur der Terrororganisation Hamas" gedient, teilte die israelische Armee mit. Auch das Haus von Sinwars Bruder Mohammed, ebenfalls ein ranghohes Mitglied der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas, sei angegriffen worden.

In Gaza wurde in der Nacht ein Medienhaus angegriffen. - © apa / afp/Said Khatib
In Gaza wurde in der Nacht ein Medienhaus angegriffen. - © apa / afp/Said Khatib

Nach Angaben der Armee wurden weitere Büros und Häuser wichtiger Hamas-Mitglieder attackiert. Als Teil der fortwährenden Angriffe auf das unterirdische Tunnelnetzwerk der Hamas, der sogenannten Metro, seien 30 weitere Ziele bombardiert worden. Außerdem habe die Luftwaffe Dutzende Waffenlager und Raketenabschussrampen beschossen. Binnen 24 Stunden habe die Luftwaffe 90 Ziele militanter Palästinenser attackiert.

Die bisher schwersten Luftangriffe

Nach palästinensischen Angaben waren es die bisher schwersten Luftangriffe im Gazastreifen. In der Stadt Gaza wurden nach Augenzeugenberichten fünf Häuser zerstört. Man befürchte viele Tote und Verschüttete unter den Trümmern. Das Gesundheitsministerium in Gaza teilte am Sonntag mit, in der Stadt seien über Nacht mindestens 26 Menschen getötet und 50 verletzt worden.

Seit Ausbruch der Kämpfe am Montag seien im Gazastreifen mehr als 150 Menschen ums Leben gekommen, teilten die Gesundheitsbehörden mit. Dazu sollen auch 40 Kinder zählen. In Israel starben nach Angaben dortiger Behörden zehn Menschen, darunter zwei Kinder. Am Sonntag will der UNO-Sicherheitsrat über den größten Gewaltausbruch seit Jahren beraten.

Ebenfalls für Sonntag ist eine Sitzung des israelischen Sicherheitskabinetts geplant. Bereits am späten Samstagabend hatte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache gesagt, man befinde sich noch mitten im Einsatz. Dieser werde "so lange wie nötig" fortgesetzt. Hamas-Chef Ismail Haniyeh sagte vor einer Menschenmenge in Katars Hauptstadt Doha, die Schlacht, der Krieg und der Aufstand trügen den Namen "Jerusalem". Dort hatten vor gut einer Woche im Ostteil an der Al-Aksa-Moschee heftige Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften begonnen. (apa)