Im westafrikanischen Krisenstaat Mali ist die vor zwei Tagen abgesetzte Spitze der Übergangsregierung nach Angaben aus dem Militär zurückgetreten. Präsident Bah Ndaw und Regierungschef Moctar Ouane hätten am Mittwoch ihren Rücktritt erklärt, so ein Vertrauter des einflussreichen Armee-Obersts Assimi Goïta. Damit dürfte sich der zweite Putsch innerhalb von neun Monaten in Mali vollziehen.

Zuvor waren Übergangspräsident Bah N'Daw und Ministerpräsident Moctar  von Soldaten festgenommen worden.Beide sollen in ein Militärcamp gebracht worden sein.

UN-Generalsekretär António Guterres forderte die umgehende Freilassung der beiden Inhaftierten. Die EU verurteilte das "Kidnapping".

Von Islamisten geplagt

In Mali war am 14. Mai die Regierung aufgelöst worden. Übergangspräsident Bah N'Daw bestätigte per Dekret Ministerpräsident Moctar Ouane im Amt und beauftragte ihn mit der Bildung einer neuen Regierung. Die Übergangsregierung in Mali hatte erst im Jänner die Militärjunta abgelöst. Auf Druck vor allem des westafrikanischen Regionalbündnisses Ecowas wurde später eine Übergangsregierung mit Ex-Verteidigungsminister N'Daw an der Spitze gebildet. Die neue Regierung sollte eine Balance zwischen den Interessen der Armee sowie der Zivilgesellschaft schaffen, die Verfassung reformieren und innerhalb von 18 Monaten Wahlen durchführen.

Der instabile Krisenstaat wird seit Jahren von islamistischen Terrorgruppen geplagt. 2013 schlug erst ein massiver französischer Militäreinsatz ihren Vormarsch auf die Hauptstadt Bamako zurück. Einige dieser Gruppen haben dem Islamischen Staat (IS) oder Al-Kaida die Treue geschworen. Immer wieder werden auch ausländische Staatsbürger entführt. Frankreich kämpft im riesigen Sahel-Gebiet mit rund 5100 Soldaten gegen Terrorgruppen.