Windhoek/Berlin. Der Aufstand, den die Herero gegen die deutschen Kolonialtruppen probierten, hatte von Anfang an wenig Aussicht auf Erfolg. Als die Lage dann immer aussichtsloser wurde, flohen im Jahr 1904 die meisten Herero in die Omeheke-Wüste. Der deutsche Generalleutnant Lothar von Trotha ließ daraufhin die Wüste abriegeln, vertrieb die Herero auch noch von den wenigen Wasserstellen. Tausende Herero verdursteten.

Grausam gingen die deutschen Kolonialherren auch gegen die Nama vor, die sich ebenfalls erhoben hatten. Sowohl Herero als auch Nama wurden in Lager gebracht, in denen jeder zweite Insasse starb. Historikern zufolge wurden während des Herero-und-Nama-Kriegs von 1904 bis 1908 etwa 65.000 von 80.000 Herero und mindestens 10.000 von 20.000 Nama ermordet.

Weil das Vorgehen der Kolonialmacht im damaligen Deutsch-Südwestafrika auf die Vernichtung ganzer Völker abzielte, gilt es unter Historikern als erster Genozid des 20. Jahrhunderts. Bis heute sind die damaligen Ereignisse tief im kollektiven Gedächtnis von Namibia eingegraben.

Über 100 Jahre nach den Verbrechen erkennt die deutsche Regierung nun die Gräueltaten an den Volksgruppen der Herero und Nama als Völkermord an. Die Nachkommen will Deutschland in den kommenden 30 Jahren mit 1,1 Milliarden Euro unterstützen und offiziell um Vergebung bitten. "Ich bin froh und dankbar, dass es gelungen ist, mit Namibia eine Einigung über einen gemeinsamen Umgang mit dem dunkelsten Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte zu erzielen", erklärte Außenminister Heiko Maas am Freitag.

Uneinigkeit in Namibia

Gleichzeitig betonte man in Berlin, dass sich aus der Einigung kein Rechtsanspruch ableite. Die deutsche Regierung argumentiert, dass es Anfang des 20. Jahrhunderts den juristischen Begriff des Völkermordes noch gar nicht ab. Dass ihn das offizielle Deutschland nun für die damaligen Ereignisse verwende, ist demnach vor allem eine Anerkennung des verursachten Leides. Dass die Regierung trotzdem eine Summe von 1,1 Milliarden Euro lockermacht, sieht sie als politisch-moralische Geste an.

In den nächsten Wochen wollen offenbar die Regierungen von Namibia und Deutschland eine gemeinsame Erklärung unterschreiben. Zudem soll Bundespräsident Frank-Walte Steinmeier nach Namibia reisen und um Vergebung bitten.

Allerdings haben einzelne Vertreter der Herero und Nama schon angekündigt, Steinmeier einen unangenehmen Empfang bereiten zu wollen. Der namibischen Regierung ist es nicht gelungen, alle wichtigen Vertreter der beiden Volksgruppen mit in die Verhandlungen einzubinden. Manche saßen mit am Tisch, andere draußen vor der Tür. Ausgeschlossen waren die Ovaherero Traditional Authority und die Nama Traditional Leaders Association. Diese haben schon während der Verhandlungen immer wieder ihren Unmut geäußert. Sie stoßen sich etwa daran, dass es keine Reparationszahlungen für die Nachkommen der Opfer geben wird. Vielmehr fürchten sie, dass das Geld nichts weiter als eine umgeschichtete Entwicklungszusammenarbeit sein wird, wobei fraglich sei, wie viel davon tatsächlich bei den Gemeinschaften der Herero und Nama ankomme.(klh/dpa)