Die militant-islamistischen Taliban haben in Afghanistan nach Beginn des Abzugs internationaler Truppen erneut einen Bezirk erobert. Daulatabad in der Provinz Faryab im Norden des Landes sei in der Nacht auf Dienstag an die Taliban gefallen, bestätigten mehrere Provinzräte der Deutschen Presse-Agentur. Damit sind seit Beginn des Abzugs der US- und anderer NATO-Truppen am 1. Mai insgesamt zehn Bezirke an die Islamisten gefallen. Afghanistan ist in rund 400 Bezirke gegliedert.

Der Bezirk Daulatabad sei bereits länger von den Taliban belagert worden. Vergangene Woche allerdings hätten die Islamisten den Belagerungsring enger gezogen. Die Sicherheitskräfte im Bezirkszentrum hätten nicht mehr versorgt werden können, da die Taliban die Überlandstraße in den Bezirk kontrollierten, sagten die Provinzräte weiter. Polizei- und Armeekräfte seien in der Nacht schließlich in den Nachbarbezirk Andkhoy geflohen.

Die Sicherheitskräfte hätten die Flucht einen "taktischen Rückzug" genannt, sagte der Provinzrat Fazal Haq Mohammadi. Die Situation sei mittlerweile sehr komplex. Die Soldaten würden die Befehle ihrer Kommandanten nicht mehr befolgen, sie hätten ihre Moral verloren. Wie im Bezirk Qaisar, der am Montag an die Taliban gefallen war, hätten die Kräfte keine der angeforderten Unterstützungen bekommen.

Einem UN-Bericht zufolge konnten die Taliban im gesamten Vorjahr fünf Bezirkszentren erobern, vier davon wurden binnen weniger Tage von der Regierung zurückerobert. Experten befürchteten eine Zunahme an Taliban-Angriffen mit Beginn des Abzugs der US- und anderer NATO-Truppen. Es ist unklar, wie sehr die internationalen Truppen aktuell die Sicherheitskräfte der Regierung noch unterstützen. Der Abzug soll bis spätestens 11. September abgeschlossen sein. (apa, dpa)