Die G7-Staaten werden den ärmeren Ländern in den kommenden eineinhalb Jahren 2,3 Milliarden Corona-Impfdosen liefern. Das hat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel als Teilnehmerin des G7-Gipfels im englischen Carbis Bay erklärt. Deutschland finanziere vor allem über die internationale Impfinitiative Covax dabei umgerechnet 350 Millionen Impfdosen, sagte sie am Sonntag am Rande des G7-Gipfels. Aus eigenen Beständen werde man zunächst 30 Millionen Dosen spenden. Es könnten aber noch mehr werden, wenn es einen Überschuss gebe. Derzeit sei es schwierig, auf diesem Feld Zusagen zu machen, weil man etwa durch die Kürzung beim Hersteller Johnson & Johnson wieder die Erfahrung gemacht habe, dass nicht alle bestellten Impfstoffmengen geliefert würden.

"Wenn wir etwas überzählig haben, werden wir das weitergeben", sagte Merkel mit Blick vor allem auf das vierte Quartal, wenn mehr Impfstoff von den Firmen geliefert werden solle, als für die Impfungen der Menschen in Deutschland nötig ist. Die Bundesregierung wolle ausdrücklich, dass Impfstoffe künftig auch in Afrika produziert würden. Sie freue sich deshalb, dass das deutsche Unternehmen Biontech dazu bereits die Initiative ergriffen habe.

Ein "geheimnisvoller Nebel" bei den Impfstoffzahlen

Entwicklungsorganisationen haben daraufhin "mehr Klarheit" über diese versprochenen Impfstoffspenden der G7 gefordert. Romilly Greenhill von der Organisation One sprach von einem "geheimnisvollen Nebel", der die genannten Zahlen umhülle. "Die Welt muss einen klaren Fahrplan sehen." Fraglich sei, wo die Impfstoffe herkommen sollen. Auch sei unklar, was wirklich neu oder von früheren Zusagen erneuert worden sei. So hatte Gastgeber Großbritannien von einer Milliarde Impfspenden bis Ende nächsten Jahres gesprochen, bevor von Merkel die Zahl von 2,3 Milliarden Dosen kam.

Greenhill fragte auch, wie die G7 die Versorgungskrise durch den Exportstopp Indiens auffangen wolle, das als Hauptlieferant für die Impfplattform Covax dienen sollte. Wegen der schweren Infektionswelle im eigenen Land hatte Neu Delhi im April die Ausfuhren eingestellt. Das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) initiierte Impfprogramm Covax hatte bis Sonntag erst 83 Millionen Impfdosen an 131 Länder ausgeliefert. Geplant war deutlich mehr. Das liegt nicht nur am Exportstopp Indiens, sondern auch daran, dass die reichen Länder den Impfstoff zum Großteil zunächst für sich selbst aufgekauft haben. So ist das dringendste Problem der Mangel an Impfstoff.

Bisher 180 Millionen Impfdosen für Covax zugesagt

Die WHO dringt seit Wochen darauf, dass reiche Länder statt gesunde Jüngere zu impfen Impfstoffdosen spenden, damit in ärmeren Ländern wenigstens Pflegepersonal und die am meisten gefährdeten Menschen geimpft werden können. Bisher haben Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien, Belgien, Schweden, Dänemark, die USA, Japan, Norwegen, Neuseeland und die Vereinigten Arabischen Emirate 180 Millionen Impfdosen als Spende an Covax zugesagt. Das meiste davon - wie 30 Millionen Impfdosen aus Deutschland - soll "bis Ende des Jahres" geliefert werden. Viel zu spät, sagt die WHO. Covax braucht bis September 250 Millionen Dosen.

Das Covax-Ziel, bis Ende des Jahres rund zwei Milliarden Impfdosen auszuliefern, wurde inzwischen auf "bis Anfang 2022" verschoben. Rund 1,8 Milliarden sollen an 91 ärmere Länder gehen, die selbst keinen finanziellen Beitrag leisten können. Dort sollen damit jeweils rund 30 Prozent der Erwachsenen geimpft werden. (apa/dpa/reuters)