Bei ihrem ersten Gipfeltreffen mit US-Präsident Joe Biden haben die Nato-Staats- und Regierungschefs klar Position gegenüber Russland und China bezogen. Russland verstoße weiter gegen Werte und Prinzipien der Allianz sowie gegen internationale Verpflichtungen, heißt es in der Abschlusserklärung des Gipfels vom Montag. Auch China stelle durch sein Verhalten "eine systemische Herausforderung für die regelbasierte internationale Ordnung" dar.

Die Nato aber steht nach den Worten von Generalsekretär Jens Stoltenberg geschlossen gegen Bedrohungen durch autoritäre Systeme wie in Russland und China. Die Staats- und Regierungschefs des Bündnisses seien sich bei ihrem Gipfel in Brüssel einig gewesen, dass die Partner in Europa und Nordamerika gemeinsam "ihre Werte und Interessen verteidigen" müssten. Am Mittwoch trifft Biden mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin in Genf zusammen.

Stoltenberg zeigte sich nach dem Nato-Treffen zufrieden: "Heute schlagen wir ein neues Kapitel für unser Bündnis auf", sagte er. Die Allianz bezeichnete er als "wahrhaft transatlantische Familie". Zuvor hatte Biden den europäischen Bündnispartnern noch einmal versichert, dass sie sich im Ernstfall auf den Beistand der USA verlassen können. "Die Nato ist ausgesprochen wichtig für die US-Interessen", stellte er klar.

"Rivale und Partner"

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel plädierte dafür, dass die Nato mit China wie mit Russland einen doppelten Ansatz aus Abschreckung und Dialog entwickelt. "Ich bin eine große Verfechterin des Zwei-Säulen-Ansatzes", betonte sie. Es sei richtig, das aufstrebende China in dem neuen strategischen Konzept des Bündnisses stärker zu beachten. Allerdings: "China ist Rivale in vielen Fragen, aber China ist auch Partner in vielen Fragen". Merkel plädierte deshalb dafür, dem kommunistischen Land nach dem Vorbild der Nato-Russland-Gespräche ein Dialog-Angebot zu machen.

Der britische Premierminister Boris Johnson betonte noch vor dem Gipfel, dass das westliche Bündnis keinen "neuen Kalten Krieg" mit China wolle. Die zweitstärkste Wirtschaftsmacht der Welt sei allerdings ein "gigantischer Faktor in unserem Leben" und für die Nato eine neue strategische Herausforderung. Johnson forderte auch Russland auf, sein Verhalten gegenüber den Nato-Staaten zu ändern. Mit Blick auf das für Mittwoch in Genf geplante Treffen sagte er: "Ich weiß, dass Präsident Biden in den nächsten Tagen einige recht harte Botschaften an Präsident Putin richten wird."

Johnson beriet vor Beginn des Gipfels in einer Videokonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Die Ukraine hatte zuvor nochmals ihr Interesse an der baldigen Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Nato deutlich gemacht. (dpa/reu/apa)