Fast 20 Jahre dauerte der Einsatz im Rahmen der Nato, nun endet er. Der letzte österreichische Soldat verlässt Afghanistan und kommt am Freitag zurück. Wie ein Sprecher des Bundesheers mitteilte, werden mit 18. Juni "alle Personen retour" sein. "Die Maßnahmen der Reorganisation - Gerät, Material und ähnliches - sollten bis Mitte Juli auch abgeschlossen sein", erklärte Sprecher Marcel Taschwer am Mittwoch auf Anfrage der Austria Presseagentur. Zuletzt war noch ein Bundesheer-Angehöriger in dem Land am Hindukusch.

Der internationale Truppenabzug ist im Gange. Die Regierung des früheren US-Präsidenten Donald Trump hatte im Februar 2020 in Doha ein Abkommen mit den radikal-islamischen Taliban geschlossen, um den längsten Kriegseinsatz der US-Geschichte zu beenden. Die USA sowie die gesamte Nato begannen dann Ende April mit ihrem Truppenabzug. Die 10.000 Soldaten der Ausbildungsmission "Resolute Support" sollen Afghanistan bis zum 11. September verlassen haben.

Wie sich danach die Sicherheitslage entwickeln wird, ist nach Ansicht von Experten unklar. Beobachter befürchten allerdings, dass Afghanistan in neues Chaos stürzen könnte. Die Lage habe sich seit Beginn des Truppenabzugs nicht gerade verbessert, wie Oberstleutnant Michael Grafl Anfang Mai im Gespräch mit der APA aus Kabul mitteilte.

Mühsame Friedensgespräche

Die Österreicher waren zuletzt an der Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte beteiligt. Die Aufgaben waren beratend und unterstützend; die Soldaten nahmen nicht aktiv an Kampfhandlungen teil. Es gab in den 20 Jahren auch keine österreichischen Opfer.

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner hatte sich im Mai in Brüssel zum Abzug zurückhaltend geäußert. Aus Sicht der USA und der Nato seien die Ziele wie etwa das Zurückdrängen von Terrororganisationen wie Al-Kaida "ausreichend erfüllt", hatte sie nach einem Treffen der EU-Verteidigungsminister erklärt. Dass sich durch den Abzug "die Sicherheitslage in Afghanistan nicht verbessert, ist auch logisch". Vor einer Vernachlässigung des Landes nach dem Nato-Rückzug hatte, ebenfalls noch im Mai, Außenminister Alexander Schallenberg gewarnt. "Wir brauchen Stabilität in Afghanistan, wir müssen den Menschen vor Ort Perspektiven geben", meinte er. Daher sei das zivile Engagement der Europäischen Union aber auch der Nato zu stärken.

In dem Land selbst wurden mittlerweile die Friedensgespräche zwischen der Regierung in Kabul und den radikalislamischen Taliban wieder aufgenommen. Kontaktgruppen beider Delegationen trafen einander am Dienstag in Doha, wie die Gesandten der Regierung mitteilten. Auch die Taliban gaben die Fortsetzung der Gespräche bekannt.

Diese waren seit April unterbrochen gewesen. Sie waren ins Stocken geraten, nachdem sich die Taliban geweigert hatten, an einer Konferenz in der Türkei zur Zukunft Afghanistans teilzunehmen. Die Beratungen wurden daraufhin verschoben. Zuletzt reisten jedoch die UN-Sondergesandte Deborah Lyons und US-Beauftragter Zalmay Khalilzad nach Doha, um die Friedensverhandlungen wiederzubeleben. (apa/afp)