In der Runde der afrikanischen Unabhängigkeitshelden war Kenneth Kaunda lange einer der letzten Überlebenden. Die Stimme des sambischen Gründerpräsidenten, der am Donnerstag im Alter von 97 Jahren in Lusaka starb, hatte Gewicht auf dem Kontinent. Er galt als politische Legende.

Noch Anfang September 2019 hatte er warnend seine Stimme erhoben, als im Gefolge von gewalttätigen Übergriffen in Südafrika gegen Migranten vom afrikanischen Kontinent nun in seinem eigenen Land Gewalt gegen südafrikanische Einrichtungen drohte. "Afrika ist unser eigenes Mutterland", sagte er mahnend vor laufender Kamera - und stimmte trotz bereits brüchiger Stimme ein Lied an.

Der Sambier liebte Musik und griff auch gerne öffentlich zur Gitarre. Zu seinem 97. Geburtstag am 28. April 2021 ließ er sich singend vor der Garage ablichten. Zum Tanzen reichte es schon nicht mehr - doch mit dem Gehstock klopfte er noch munter den Takt mit. Kaunda überraschte gerne musikalisch: Beim 90. Geburtstag von Südafrikas erstem schwarzen Präsidenten Nelson Mandela etwa beeindruckte er im Juli 2008, als er mit Tränen der Rührung in den Augen vor den Kameras der Weltpresse ein emotionales "Happy Birthday" ins Mikrofon schmetterte.

Wegen seines Engagements für Menschlichkeit und Frieden war der Vegetarier und Antialkoholiker in Afrika hoch geachtet. Als erster Präsident des nachkolonialen Sambia wollte der jüngste Sohn eines Missionars seine Vision vom "sambischen Humanismus" umsetzen und afrikanische Traditionen mit christlichen und sozialistischen Werten vereinen. Er wurde sogar der erste Staatsmann Afrikas, der nach einer Wahlniederlage freiwillig die Macht abgab.

Durchwachsene Bilanz

Seine politische Bilanz als Staatschef (1964 bis 1991) gilt aber nicht zuletzt dank massiver staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft als eher durchwachsen. Kaunda ließ mit Gewalt soziale und politische Unruhen ersticken, Oppositionsparteien wurden schließlich verboten. Ähnlich wie Robert Mugabe im benachbarten Simbabwe förderte der praktizierende Christ Kaunda zudem einen gewissen Personenkult. Seinem Nachfolger Frederick Chiluba hinterließ er dann später einen hoch verschuldeten Staatsapparat.

Kaunda war ein Lehrer, der sich wie viele afrikanische Intellektuelle seiner Zeit dem Kampf gegen den Kolonialismus verschrieben hatte - wofür er dann im damaligen, britisch regierten Nord-Rhodesien für mehrere Monate hinter Gittern kam. Nach dem Sieg der Vereinten Nationalen Unabhängigkeitspartei bei den Wahlen 1964 wurde Kaunda Präsident und setzte die Unabhängigkeit des heutigen Sambia durch.

Er spielte auch beim Kampf gegen die Apartheid in Südafrika eine wichtige Rolle. "Wir stehen angesichts des von Ihnen zu Lebzeiten gemachten Beitrags zur Befreiung unseres Landes und der Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrikas (SADC) in Ihrer Schuld", schrieb ihm Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa im April 2019 zu Kaundas 95. Geburtstag. Kaunda sei eine Inspiration auch für heutige Generationen. Nach seinem Rückzug aus der Politik widmete sich Kaunda seiner 2003 gegründeten Stiftung für Aids-Waisen und war auch für die UN und die Afrikanische Union tätig. (apa/dpa)