Das neunte Jahr in Folge und trotz der Corona-Pandemie ist die Zahl der vor Gewalt, Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen geflohenen Menschen im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Weltweit 82,4 Millionen Vertriebene und Geflüchtete zählte das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) bis Ende 2020, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Bericht "Global Trends" hervorgeht. Mehr als die Hälfte davon - 48 Millionen - sind Binnenvertriebene, also Vertriebene im eigenen Land.

Ihre Zahl wuchs um mehr als zwei Millionen, vor allem aufgrund von Krisen in Äthiopien, im Sudan, den Sahel-Ländern, Mosambik, im Jemen, Afghanistan und Kolumbien. Um 40 Prozent weniger Binnenvertriebene (Internally Displaced People/IDPs) als noch 2019 konnten in ihre Heimatländer zurückkehren.

Asylzahlen in Österreich weitgehend konstant

Die zweitgrößte Gruppe der Geflüchteten weltweit waren auch 2020 die anerkannten Flüchtlinge mit 26,4 Millionen (20,7 Millionen unter UNHCR-Mandat und 5,7 Millionen palästinensische Flüchtlinge unter UNRWA-Mandat). Hinzu kommen 3,9 Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner, die aus ihrer Heimat geflohen sind und 4,1 Millionen Menschen, die als Asylsuchende registriert wurden. Ihre Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr in etwa gleich geblieben. In Österreich wurden laut UNHCR 2020 14.775 Asylanträge verzeichnet, das entspricht ungefähr dem Durchschnitt der letzten 15 Jahre, abgesehen von den "Krisenjahren" 2015 und 2016, und bedeutet ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr.

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"Hinter jeder dieser Zahlen steht ein Mensch, der aus seiner Heimat vertrieben wurde, und ein Schicksal von Flucht, Entwurzelung und Leid", sagte der UNO-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi. Jede und jeder Einzelne verdient Aufmerksamkeit und Unterstützung. "Die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 und der Globale Pakt für Flüchtlinge sind der rechtliche Rahmen und das Werkzeug, um auf Vertreibung zu reagieren. Wir brauchen aber einen viel stärkeren politischen Willen, um Konflikte und Verfolgung, die Menschen überhaupt erst zur Flucht zwingen, anzugehen", forderte Grandi.

Syrien mit den meisten Flüchtlingen

Mehr als zwei Drittel aller Menschen, die aus ihrem Heimatland geflohen sind, kamen laut dem Bericht aus nur fünf Ländern: Syrien (6,7 Millionen), Venezuela (4,0 Millionen), Afghanistan (2,6 Millionen), Südsudan (2,2 Millionen) und Myanmar (1,1 Millionen). Bereits 2019 war mit 79,5 Millionen ein Höchstwert von Geflüchteten weltweit erreicht worden.

Die aktuellen Zahlen würden einmal mehr zeigen, dass die Situation von Menschen weltweit auf der Flucht "immer dramatischer" werde und sich die allermeisten Flüchtlinge weiterhin nahe der Krisenregionen und oft in Entwicklungsländern befinden würden, erklärte Christoph Pinter, Leiter von UNHCR Österreich. Er forderte Österreich und die anderen EU-Staaten auf, ihre Verantwortung für den Flüchtlingsschutz wahrzunehmen und "alle Bestrebungen zur Auslagerung von Asylverfahren und Schutzgewährung an Drittstaaten zu stoppen". Österreich hatte sich zuletzt sehr interessiert an einem dänischen Vorhaben gezeigt, das die Bearbeitung von Asylanträgen in Asylzentren in Drittländern vorsieht. Das UNHCR hatte die Pläne Kopenhagens scharf kritisiert.

"Lösungen erfordern globale Führungsverantwortlichkeit. Politikerinnen mit Einfluss weltweit sind aufgerufen, ihre Differenzen beiseitezulegen, Politikansätze, die nur die eigenen Interessen berücksichtigen, aufzugeben und sich stattdessen darauf zu konzentrieren, Konflikte zu vermeiden und zu lösen und die Achtung der Menschenrechte zu garantieren", appellierte Grandi in einer Aussendung.