New York. Es sind, auch in der Justiz, nicht immer die direkten Wege, die zum Ziel führen. Oder zumindest führen sollen. Also nimmt die New Yorker Justiz jetzt den Finanzvorstand der Trump Organization, Allen Weisselberg, ins Visier, um so an ihr eigentliches Objekt der juristischen Begierde zu gelangen: Ex-Präsident Donald J. Trump. Noch für Donnerstagabend wurde eine Anklage wegen Finanzvergehen erwartet.

Das Geschäftsgebaren des schillernden Immobilien-Tycoons hat auch schon vor seiner politischen Karriere, die ihn 2017 als Präsident der Vereinigten Staaten bis ins Weiße Haus führte, für zahlreiche Verdachtsmomente unlauterer Praktiken und geschädigte Geschäftspartner gesorgt. Trumps Entschluss, für das höchste Amt in den USA zu kandidieren, sorgte jedoch für neue, weitaus schärfere Spielregeln, die auch für sein Unternehmen, die Trump Organization, plötzlich zu gelten hatten.

So wollte der spätere Präsident noch als Bewerber für den Posten des republikanischen Präsidentschaftskandidaten ein pikantes Problem aus dem Weg schaffen, von dem er fürchtete, dass es seine Chancen bei den Vorwahlen mindern könnte: zwei kurze Affären mit der Pornodarstellerin Stormy Daniels und dem "Playboy"-Modell Karen McDougal. Im Gegenzug für deren Schweigen soll Schweigegeld geflossen sein.

Bereits seit 2019
Ermittlungen

Manhattans Bezirksstaatsanwalt Cyrus Vance, der Sohn eines gleichnamigen demokratischen US-Außenministers, führt schon seit 2019 Ermittlungen in dieser Causa gegen Trump und die Trump Organization. Diese wurden dann ausgeweitet auf möglichen Steuer-, Banken- und Versicherungsbetrug, nachdem Trumps langjähriger Privatanwalt Michael Cohen im Februar 2019 bei einer Kongressanhörung ausgesagt hatte, Trump habe den Wert seiner Immobilien je nach Interesse zu hoch oder zu niedrig angegeben.

Seit vergangenem Februar liegen dem Staatsanwalt nach einem langen Rechtsstreit nun auch die Steuererklärungen Trumps ab dem Jahr 2011 vor. Trump hatte sich mit aller Kraft gegen die Herausgabe der Dokumente gestemmt und war bis vor den Obersten Gerichtshof des Landes gezogen, dort aber unterlegen.

Im vergangenen Mai wurde dann bekannt, dass Vance eine sogenannte Grand Jury einberufen hat. Die Laienrichter entscheiden auf Grundlage der Beweise darüber, ob Anklage erhoben wird oder nicht.

Gegen die Trump Organization ermittelt auch noch die Generalstaatsanwältin des US-Staats New York, Letitia James. Vance und James kooperieren inzwischen bei ihren Ermittlungen. Vance und James gehören den Demokraten von Präsident Joe Biden an, was Trump wiederholt von einer politisch motivierten "Hexenjagd" gegen ihn und seine Familie sprechen lässt.

Trump hatte das Familienunternehmen in den 1970er-Jahren von seinem Vater Fred Trump übernommen. Nach seinem Sieg bei der Präsidentenwahl 2016 und seinem Amtsantritt im Jänner 2017 gab er die Leitung der Geschäfte an seine Söhne Donald Junior und Eric ab.

Für Trump ist Weisselberg ein "Bauernopfer"

In der aus hunderten Einzelunternehmen bestehenden Trump Organization sind die Immobiliengeschäfte des Ex-Präsidenten gebündelt. Ihr gehören Luxushotels, Golfclubs, Wohngebäude und Geschäftsimmobilien in den USA und im Ausland. Die wohl berühmteste Immobilie ist der Trump Tower in New York, in dem Trump lange Zeit lebte. Früher gehörten dem 75-Jährigen auch eine Reihe von Casinos.

Am Donnerstag hat sich nun Finanzchef Weisselberg den Behörden gestellt. Ihm und der Gesellschaft des Ex-Präsidenten drohen erste Anklagen in einer Untersuchung, die Trump schon seit Jahren im Visier hat. Weisselberg ist ein langjähriger Geschäftspartner von Trump. Während dessen Präsidentschaft hat er mitgeholfen, Trumps Immobilien-Imperium zu leiten. Weisselberg will auf nicht schuldig plädieren. Der Vorwurf lautet auf Vergünstigungen wie etwa mietfreie Appartements und geleaste Autos, ohne diese korrekt steuerlich auszuweisen.

Die Trump Organisation wirft der Staatsanwaltschaft vor, sie wolle Weisselberg als Bauernopfer nutzen. Es solle versucht werden, verbrannte Erde zu hinterlassen und dem Ex-Präsidenten zu schaden. Trump selbst bestreitet jegliches Fehlverhalten.

Gegenwärtig wird nicht damit gerechnet, dass auch Trump noch in dieser Woche beschuldigt wird.