Angesichts der Hungerkrise in Syrien haben rund 2.000 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen in dem Bürgerkriegsland gegen die drohende Schließung eines Grenzübergangs zur Türkei protestiert. Mit einer Menschenkette drängten die Demonstranten am Freitag auf die Verlängerung einer UNO-Resolution, die am 10. Juli ausläuft. Die Regelung erlaubt, Hilfsgüter über die Türkei auch in syrische Regionen zu bringen, die nicht von der Regierung kontrolliert werden.

Die UNO-Vetomacht Russland, die Syriens Machthaber Bashar al-Assad stützt, hatte signalisiert, dass sie für die Schließung des letzten Grenzübergangs für Hilfslieferungen ist. Moskau bevorzugt, Hilfstransporte über die von Assad kontrollierte Hauptstadt Damaskus abzuwickeln.

"Die Schließung dieser Grenze wird eine Katastrophe verursachen, die humanitäre Situation in der Region weiter verkomplizieren", sagte Demonstrant und Mitarbeiter der Rettungsorganisation Weißhelme, Munir Mustafa, der Deutschen Presse-Agentur. Hunger und auch die Corona-Pandemie würden sich so weiter im Land verbreiten. Auf Plakaten warnten die Helfer bei der Kundgebung in der Nähe des Grenzübergangs: "Menschenrechte stehen über politischen Erwägungen". Die Organisationen hatten eigenen Angaben zufolge mit 2.500 Teilnehmern gerechnet.

In Syrien gibt es nach Angaben der Vereinten Nationen bereits jetzt so wenig zu essen wie nie zuvor seit Beginn des Bürgerkriegs. Dem Welternährungsprogramm (WFP) zufolge haben 12,4 Millionen Menschen Probleme, sich zu ernähren - 4,5 Millionen mehr als vor einem Jahr. Die Preise für Lebensmittel stiegen im vergangenen Jahr um 247 Prozent. Hilfsorganisationen warnen deshalb schon seit längerem vor den Folgen, sollte der Übergang geschlossen werden.