Johannesburg. Hunderte Geschäfte sind bereits zerstört worden, viele Geschäftsbesitzer, die die Corona-Krise ohnehin schon hart getroffen hat, stehen vor den Trümmern ihrer Existenz. Und vorerst ist auch kein Ende der Unruhen in Südafrika, die durch die Inhaftierung von Ex-Präsident Jacob Zuma ausgelöst worden waren, in Sicht.

Ganz im Gegenteil: Die Ausschreitungen haben sich ausgeweitet. Am Mittwoch griffen sie auf die Provinzen Mpumalanga und Nordkap über, nachdem sie sich bislang vor allem auf Zumas Heimatprovinz KwaZulu-Natal und das Finanz- und Wirtschaftszentrum Johannesburg sowie die umliegende Provinz Gauteng konzentriert hatten. Erneut wurden in mehreren Städten Geschäfte, Einkaufszentren, Büros und Lagerhäuser geplündert und teils in Brand gesteckt, etwa in der Johannesburger Vorstadtsiedlung Soweto und der Hafenstadt Durban, wie TV-Bilder zeigten. Soldaten wurden auf die Straßen entsandt, um die zahlenmäßig unterlegene Polizei zu unterstützen.

Ausgelöst wurden die Ausschreitungen durch Proteste der Zuma-Anhänger, zusätzlich befeuert wurden sie durch eine große Unzufriedenheit in dem Land. Denn harte Corona-Lockdowns haben die soziale Lage für die Armen noch einmal verschärft.

Mittlerweile ist aber der Übergang zur Kriminalität fließend geworden. Denn viele Bürger nutzen die Ausschreitungen nun einfach für Plünderungen, und das sind keineswegs nur die Armen. Teilweise sieht man auch Mittelklassewagen vorfahren, deren Fahrer und Beifahrer aussteigen und sich in den devastierten Geschäften bedienen.

Der nationale Krankenhausverband warnte nun, dass die Ausschreitungen die ohnehin schwierige Lage im Kampf gegen eine dritte Welle in der Corona-Pandemie weiter verschärften. Die Versorgung mit Sauerstoff, Medikamenten und auch Lebensmitteln sei beeinträchtigt. Auch das Klinikpersonal könne in vielen betroffenen Gebieten wegen der Proteste und Ausschreitungen nicht zur Arbeit kommen.

"Die Auswirkungen der Plünderungen und Zerstörungen haben schlimme Folgen für die Krankenhäuser", erklärte der Verband. "Und das Epizentrum der Pandemie liegt in den betroffenen Provinzen." Auch Südafrikas größte Raffinerie, Sapref in Durban, hat Branchenangaben zufolge vorübergehend den Betrieb eingestellt.

Bei den am Wochenende ausgebrochenen Unruhen wurden bereits mehr als 70 Menschen getötet, mehr als 1.200 Menschen wurden den Sicherheitsbehörden zufolge festgenommen. Der frühere Präsident Zuma hatte sich nach langem Hin und Her am Wochenende selbst der Polizei gestellt und war seine 15-monatige Haftstrafe angetreten. Der 79-Jährige war dazu verurteilt worden, weil er sich weigerte bei Ermittlungen zu Korruption während seiner neunjährigen Amtszeit, die 2018 endete, auszusagen.(klh/reu)