Der marokkanische Menschenrechtsaktivist und Journalist Omar Radi ist wegen des Vorwurfs der Spionage und der Vergewaltigung zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein Gericht in Casablanca verkündete das Urteil gegen den 34-Jährigen am Montag. Radi hatte bis zuletzt seine Unschuld beteuert und sieht sich als Opfer politischer Verfolgung wegen seiner kritischen Einstellung zur Regierung.

Ein Verfahren gegen Radi wegen des Spionagevorwurfs war im Juni vergangenen Jahres eröffnet worden - wenige Tage nach der Veröffentlichung eines Berichts von Amnesty International, wonach Radis Handy mit Hilfe der Software Pegasus des israelischen Unternehmens NSO gehackt wurde. Die Software steht aktuell im Mittelpunkt von Enthüllungen über die weltweite Ausspähung hunderter Journalisten, Aktivisten und Oppositionellen.

Geheimdienste und Polizeibehörden mehrerer Länder sollen demnach die vom israelischen Unternehmen NSO angebotene Spähsoftware Pegasus missbraucht haben, um die Mobiltelefone der Betroffenen anzuzapfen. Es soll um zehntausende Handy-Nummern gehen.

Radis Verhaftung hatte sowohl in Marokko als auch im Ausland für Proteste gesorgt. Unterstützer des Journalisten sprechen von einem politisch motivierten Prozess. Die Behörden betonen hingegen die Unabhängigkeit der Justiz. (apa, afp)