Nach monatelangen politischen Wirren steht im Südseestaat Samoa erstmals eine Frau an der Spitze der Regierung. Ein Berufungsgericht entschied am Freitag, dass die FAST-Partei unter Führung von Fiame Naomi Mata'afa die Abstimmung von Anfang April gewonnen hat. Der langjährige Regierungschef Tuilaepa Sailele Malielegaoi, der seit 23 Jahren an der Macht war, hatte das Wahlergebnis zuvor nicht anerkannt und wollte nicht weichen. Das führte zu einer politischen Blockade.

Als Mata'afa im Mai eingeschworen werden sollte, ließ ihr Widersacher sie kurzerhand aus dem Parlament ausschließen. Die Politikerin wurde daraufhin in einer eigenen Vereidigungszeremonie in einem großen Zelt im Garten des Parlaments ins Amt eingeführt. Das Gericht entschied nun, dass diese Vereidigung rechtmäßig war.

Bei der Wahl hatte die FAST-Partei eine knappe Mehrheit errungen: Sie bekam 26 der 51 Parlamentssitze. Das war eine Art politisches Erdbeben in dem kleinen Land mit knapp 200 000 Einwohnern, wo seit fast 40 Jahren die "Partei zum Schutz der Menschenrechte" (HRPP) von Premier Malielegaoi regierte. Mata'afa ist erst die zweite Frau in der männerdominierten Pazifikregion (nach Hilda Heine von den Marshallinseln), die an der Spitze einer Regierung steht.

Die 64-jährige Fiame Naomi Mata'afa, die in der neuseeländischen Hauptstadt Wellington studiert hat, war auch schon Samoas erste Kabinettsministerin, als sie 2016 das Ressort für natürliche Ressourcen und Umwelt übernahm. Bis 2020 war sie gleichzeitig die erste stellvertretende Premierministerin des kleinen Staates. Sie ist die Tochter eines früheren Premierministers - Mataʻafa Mulinuʻu II., der in den 1960er und 1970er zwei Mal die Regierung führte.

Mehr als 200 000 Menschen leben in dem zwischen Neuseeland und Hawaii gelegenen Inselstaat im Pazifik. 1962 ist die Rugby-verrückte Nation von Neuseeland unabhängig geworden.