Neuseeland hat schon seine Konsequenzen gezogen. Es setzt quarantänefreies Reisen zwischen Australien und dem eigenen Land erneut aus. Zu groß ist die Sorge, dass der Ausbruch der Delta-Variante beim Nachbarn Auswirkungen ebenfalls in Neuseeland haben könnte.

Die hochinfektiöse Mutation löst weltweit Nervosität aus. Staaten verschärfen ihre - auch länderübergreifenden - Restriktionen, weiten die Testanforderungen aus, wälzen wieder Lockdown-Überlegungen, hinterfragen die Prioritäten in ihren Impfprogrammen. Und nicht zuletzt die Immunisierung wurde zum Zankapfel in Australien. Die Delta-Variante bedroht die bisherigen Erfolge des Landes im Vorgehen gegen das Coronavirus.

Australien galt lange als ein Musterstaat im Corona-Krisenmanagement, ebenso wie Neuseeland. Die beiden sind vergleichsweise glimpflich durch die Pandemie gekommen, was sie einerseits strikten Maßnahmen, auf der anderen Seite teils ihrer geografischen Lage als Inseln verdanken. In Australien wurden nach der erfolgreichen Eindämmung der Pandemie im Frühling 2020 lokale Cluster immer wieder mit raschen und harten regionalen Lockdowns - unter anderem nächtlichen Ausgangssperren für Millionen-Einwohner-Städte wie Melbourne - bekämpft. Im Herbst schien das Virus dann überhaupt verschwunden, über Wochen. In Neuseeland war es ähnlich: Zwischen Mitte November und Ende Jänner wurde wochenlang kein einziger Infektionsfall registriert. Spätere Neuansteckungen hatten rasch wieder Restriktionen zur Folge.

Keine zusätzlichen Impfdosen für Sydney

Als Australien und Neuseeland Mitte April nach mehr als einem Jahr quarantänefreies Reisen zwischen den beiden Staaten ermöglichten, bezeichneten das die Regierungschefs als "weltweit einzigartig". Doch wenige Tage später war der Reisekorridor wegen eines Infektionsfalls in Australien für kurze Zeit teilweise wieder geschlossen. Über die internationalen Grenzen hieß es im Mai aus dem Kabinett in Canberra sogar, dass vielleicht erst Mitte des kommenden Jahres eine komplette Öffnung möglich sei.

Dann kam Juni, und die Delta-Variante war da. Ende des Vormonats gingen immer mehr australische Regionen in den Lockdown; mehr als zehn Millionen der insgesamt rund 25 Millionen Einwohner waren von Ausgangsbeschränkungen betroffen. Sydney, Perth, Brisbane und Darwin waren abgeschottet. Mitte Juli wurde der erste Covid-Todesfall in diesem Jahr gemeldet. Der Lockdown in der größten Stadt, Sydney, wurde verlängert, auch die zweitgrößte Metropole, Melbourne, ist erneut abgeriegelt.

Am Freitag meldete der bevölkerungsreichste Bundesstaat, Neu-Süd-Wales, den höchsten Anstieg an täglichen Neuinfektionen in diesem Jahr: 136 neue Fälle. Die Behörden riefen die Regierung in Canberra auf, zusätzliche Vakzine in die Region mit ihrer Hauptstadt Sydney zu schicken. Premierminister Scott Morrison lehnte dies ab: Er werde nicht das gesamte Impfprogramm durcheinanderwerfen.

Die Immunisierung kommt allerdings kaum voran: Ende Juni lag der Prozentsatz der geimpften Bevölkerung im einstelligen Bereich, nun sind gerade einmal rund 15 Prozent der Erwachsenen immunisiert. Verzögerungen hat es unter anderem wegen der Wirren rund um das Vakzin von AstraZeneca gegeben. Premier Morrison entschuldigte sich schon für den lahmen Impffortschritt.

Das benachbarte Neuseeland zog jedenfalls seine Schlüsse und setzte quarantänefreies Reisen für mindestens acht Wochen aus. Und es ist keineswegs das einzige Land, das gegenüber seinen Nachbar- und weiteren Ländern Vorsicht walten lässt. So wollen etwa die Philippinen Einreisen aus Malaysia und Thailand stoppen.

Immer mehr Staaten verschärfen Restriktionen

Die deutsche Regierung wiederum hat am Freitag die Niederlande und Spanien zum Hochrisikogebiet erklärt. Einreisende von dort müssen sich in zehntägige Quarantäne begeben. Von der Absonderungspflicht kann ein vorgelegter Negativtest erst nach fünf Tagen befreien.

Wegen steigender Corona-Inzidenzzahlen an der Adriaküste verschärft Kroatien ebenfalls die Vorsichtsmaßnahmen in diesem Urlaubsgebiet. Versammlungen von mehr als 1.000 Menschen sind ab Montag verboten - unabhängig davon, ob die Anwesenden geimpft sind oder eine Covid-Erkrankung überstanden haben.

Neue Beschränkungen betreffen auch die Gastronomie und private Zusammenkünfte, an denen nur noch bis zu 15 Personen ohne Covid-Immunitätszertifikat teilnehmen dürfen. EU-Bürger dürfen weiterhin nach Kroatien einreisen, wenn sie das EU-weit gültige Corona-Zertifikat vorlegen. Zyprioten benötigen - wie Russen und Briten - zusätzlich einen negativen Covid-Test. (czar/reu/apa)