Seit 23 Jahren ist in Sierra Leone kein Todeskandidat mehr hingerichtet worden. Damals wurden 24 Soldaten wegen der Beteiligung an einem Putsch von einem Erschießungskommando hingerichtet. Nun wird die Todesstrafe  in den westafrikanischen Land ganz abgeschafft. Damit löst Präsident Julius Maada Bio ein Versprechen ein, das er im Wahlkampf 2018 gegeben hatte. Das Parlament hat die Abschaffung der Todesstrafe am Freitag einstimmig beschlossen. Der Präsident dürfte des entsprechende Gesetz nun bald unterzeichnen. Todesurteile sollen nun in lebenslängliche Haftstrafen umgewandelt werden. Und dies betrifft immerhin mindestens 94 Verurteilte, berichtet Amnesty International.

Die Menschenrechtsorganisation hat die Abschaffung der Todesstrafe in Sierra Leone begrüßt. "Es ist ein Sieg für die Menschenrechte", sagte Amnesty-Rechtsberater Oluwatosin Popoola am Sonntag. Es müsse jedoch noch mehr getan werden. So müsse der Staat entschieden das Recht auf freie Meinungsäußerung von Bürgerrechtlern, Journalisten sowie Oppositionellen schützen und Polizei sowie Militär bei Vergehen zur Rechenschaft ziehen.

Sierra Leone zählt laut einem UN-Index zu den ärmsten Staaten der Welt. Das Land leidet an den Folgen eines elf Jahre langen Bürgerkriegs, der 2002 beendet wurde und Schätzungen zufolge rund 70.000 Menschen das Leben kostete. Hinzu kam von 2014 bis 2016 eine verheerende Ebola-Epidemie. Die Wirtschaft brach daraufhin um etwa ein Viertel ein. (apa/dpa)