Kabul. Die radikalislamischen Taliban haben einen Großteil Afghanistans unter ihre Kontrolle gebracht. Am Montag eroberten sie Aybak in der Provinz Samangan, die sechste Provinzhauptstadt binnen weniger Tage.

Die Islamisten haben nach Angaben von Bewohnern der Stadt die wichtigsten Einrichtungen der Regierung eingenommen, darunter das Polizeihauptquartier, den Gouverneurssitz und das Gefängnis der Stadt. Laut Augenzeugen haben die Sicherheitskräfte die Stadt mit geschätzt 120.000 Einwohnern einfach verlassen. Die Armeesoldaten wollten ihr Leben nicht für eine Regierung riskieren, von der sie sich im Stich gelassen fühlten, so die Provinzrätin Machboba Rahmat. Die Soldaten seien auf eine Anhöhe am Rand der Stadt geflohen.

- © M. Hirsch
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28 Provinzhauptstädte befinden sich noch in den Händen der Regierung. Am Sonntag war die wichtige Stadt Kunduz an die Taliban gefallen. Am Montag startete die Armee einen Gegenangriff, zuletzt wurde gekämpft.

Kinder getötet

Die Taliban gehen mit großer Brutalität vor. In den Provinzen Kandahar, Khost und Pakria wurden nach Angaben der Unicef in den vergangenen drei Tagen mindestens 27 Kinder getötet. 136 weitere Minderjährige seien verletzt worden, so das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen.

Die UNO zeigt sich wegen der sich rapide verschlechternden Sicherheitslage besorgt. Allein im Juli sind mehr als tausend Menschen durch Angriffe in den Konfliktprovinzen Helmand, Kandahar und Herat getötet oder verletzt worden. Knapp 250.000 Menschen sind in Afghanistan auf der Flucht.(red.)