Mehr als sieben Jahre hat es gedauert, um das Dokument zu erstellen. Dutzende Wissenschafter aus allen Kontinenten haben dazu beigetragen, tausende Studien und Erkenntnisse sind in die beinahe 4.000 Seiten eingeflossen. Am Montag ist der Bericht des UN-Weltklimarats (IPCC), in Auftrag gegeben von den knapp 200 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen, veröffentlicht worden. Und bei allem Ringen um Formulierungen, das eine derart weit gespannte Zusammenarbeit mit sich bringt - zumindest an einem wird kein Zweifel gelassen: daran, wer für den Klimawandel verantwortlich ist. Hieß es in früheren Berichten noch "wahrscheinlich" oder "höchstwahrscheinlich", lautet nun einer der ersten Sätze: "Es ist eindeutig, dass menschlicher Einfluss die Atmosphäre, die Ozeane und die Erde erwärmt."

Klarer als zuvor wird auch der Zusammenhang zwischen menschlichem Handeln und Wetterextremen hergestellt. Zwar sind nicht alle Experten der Meinung, dass Naturereignisse wie Hitzewellen, Dürren, Überflutungen wegen Starkregens oder Tropenstürme vor allem auf den Klimawandel zurückzuführen sind. Doch ihre Häufung lässt diesen Schluss mittlerweile zu - das gehe aus den gesammelten Untersuchungen hervor, ist im Bericht zu lesen.

Unumkehrbare Folgen

Überhaupt lässt der Text wenig Interpretationsspielraum für jene, die den Klimawandel oder die Dringlichkeit des Entgegensteuerns kleinreden wollen. Wenn nicht sofort und umfassend gehandelt werde, steige die Welttemperatur in den nächsten 20 Jahren um mehr als 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit, wird klargestellt. Schon jetzt habe sich zuviel Treibhausgas in der Atmosphäre angesammelt. Die Menschheit sei dabei, ihr verbleibendes CO2-Budget innerhalb der nächsten zehn Jahre aufzubrauchen. Klimaveränderungen mit schwerwiegenden Folgen gebe es bereits: Hitzewellen, die früher alle 50 Jahre vorgekommen seien, werde es künftig alle zehn Jahre geben.

Schon jetzt aber seien laut IPCC einige Auswirkungen der Erderwärmung "unumkehrbar". Dazu gehören etwa der Anstieg der Meeresspiegel und das Schmelzen der Gletscher. Die Arktis ist übrigens die Region, die sich am schnellsten erwärmt - mindestens doppelt so schnell wie der weltweite Durchschnitt.

Schwierige Reduktion

Die Dramatik der Lage will UN-Generalsekretär Antonio Guterres unterstreichen, der schon "Alarmstufe Rot" ausgerufen hat. "Die Alarmglocken tönen ohrenbetäubend. Sie müssen das Ende von Kohle und anderen fossilen Brennstoffen einläuten, bevor diese unsere Erde zerstören", sagte Guterres.

Umweltschutzorganisationen können sich dem nur anschließen. Für Greenpeace Deutschland kommentierte Christoph Thies: "Das Schockierende dieses Berichts ist, dass alles Alarmierende darin abzusehen war - und doch bewegen sich Regierungen und Konzerne beim Klimaschutz noch immer im Schneckentempo." Für Österreich forderte Global 2000 einen eigenen "grünen Deal", angelehnt an jenen der EU-Kommission, die die Unionsmitglieder zur Reduktion von Treibhausgasen bewegen will. Und die Hilfsorganisation Care Österreich machte darauf aufmerksam, dass es nicht nur um Klimakatastrophen, sondern auch um menschliches Leid gehe. Mit jeder Flut oder Dürre werde es schwieriger, den Kreislauf von Armut und Ungleichheit zu durchbrechen, befand Geschäftsführerin Andrea Barschdorf-Hager.

Besorgt zeigten sich auch Regierungspolitiker etlicher Länder. Der britische Premier Boris Johnson etwa, dessen Land Gastgeber der nächsten Weltklimakonferenz ist, äußerte die Hoffnung, dass der IPCC-Bericht "ein Weckruf für die Welt" sein werde. Es sei "klar, dass die nächste Dekade entscheidend für die Sicherung der Zukunft unseres Planeten sein wird".

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Gleichzeitig fällt es den Staaten schwer, ihre selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Allein in der Europäischen Union gibt es unterschiedliche Auffassungen dazu, wie die CO2-Emissionen zu reduzieren wären. Denn noch immer gibt es Länder, die einen Großteil ihrer Energie aus Kohle gewinnen. Dabei will die EU bis 2050 klimaneutral werden.

Leitlinie für Glasgow

Doch selbst wenn diese Vorgabe weltweit erreicht würde, dürfte etwa der Meeresspiegel Ende des Jahrhunderts um bis zu 62 Zentimeter höher sein als in den Jahren 1995 bis 2014, ist dem IPCC-Bericht zu entnehmen. Gleichzeitig ließe sich nur bei Klimaneutralität bis 2050 der Anstieg der Mitteltemperatur bis 2100 auf unter zwei Grad drücken.

Das ist denn auch das Ziel, das 2015 im Klimavertrag von Paris vereinbart wurde: die Erderwärmung auf unter zwei Grad - möglichst auf 1,5 Grad - gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Die Marke von 1,5 Grad gilt als gerade noch beherrschbar. Mittlerweile sind aber bereits fast 1,2 Grad erreicht. Bei der Weltklimakonferenz in Glasgow im November sollen die Länder dann neue Vorgaben zur Reduzierung des Treibhausgas-Ausstoßes verbindlich festlegen. Das aktuelle IPCC-Dokument soll eine Leitlinie dafür bilden.

Ob Glasgow jedoch das Aus für den Kohlestrom bringen wird, ist fraglich. Denn erst Ende Juni berichtete die Denkfabrik Carbon Tracker, dass China, Indien, Indonesien, Japan und Vietnam den Bau von mehr als 600 Kohlekraftwerken planen. Das größte Braunkohlekraftwerk steht aber noch immer in der EU: in Belchatow in Polen.(czar/reuters/dpa)