Nairobi. In Äthiopien hat die Regierung die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich dem Kampf gegen die Rebellentruppen aus Tigray anzuschließen. Das Büro des Ministerpräsidenten Abiy Ahmed forderte am Dienstag "alle fähigen Äthiopier" auf, sich bei der Armee, Spezialeinheiten und Milizen zu melden, um das Vorgehen gegen die regierungsfeindlichen Truppen zu unterstützen. Die Erklärung kam etwa sechs Wochen, nachdem die Regierung in der nördlichen Region Tigray einen einseitigen Waffenstillstand ausgerufen hatte. Von ihr waren zunächst keine näheren Informationen zu erhalten, auch keine Stellungnahme eines Sprechers der Truppen aus Tigray.

Diese hatten zuletzt ihren Vormarsch fortgesetzt. Die Kämpfe im Norden des Landes haben auf die angrenzenden Regionen Amhara und Afar übergegriffen. Rund 170.000 Menschen sind nach Angaben der Vereinten Nationen deswegen bereits geflüchtet. Der Krieg zwischen der Volks-Befreiungs-Front (TPLF) in Tigray und den Truppen der Zentralregierung brach im November aus. Ministerpräsident Abiy Ahmed hatte der TPLF vorgeworfen, einen bewaffneten Aufstand angezettelt zu haben.

Blatt hat sich gewendet

Zunächst konnten die Truppen der Zentralregierung die TPLF verdrängen. Doch dann wendete sich das Blatt: Ende Juni eroberte die TPLF die Regionalhauptstadt Mekelle zurück und hat seitdem weitere Geländegewinne erzielt.

Die UNO ist unterdessen wegen Berichten über Massaker in einer Nachbarregion Tigrays besorgt. So sollen 200 Menschen - darunter mehr als 100 Kinder - getötet worden sein.