Gegen den inhaftierten Kreml-Kritiker Alexej Nawalny ist in Russland eine neue Anklage erhoben worden, die seine Gefängnisstrafe deutlich verlängern könnte. Dem Aktivisten werde die Gründung einer rechtswidrigen Organisation vorgeworfen, hieß es seitens des für schwere Straftaten zuständigen Ermittlungskomitees. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu drei Jahre Gefängnis.

Grung zur neuen Anklage ist die Anti-Korruptionsstiftung FBK, welche in Russland als "extremistisch" eingestuft und verboten wurde. Dem Gründer der Organisation wird nun vorgeworfen, mit dieser die "Rechte der Bürger verletzt" und die Russen zu "unerlaubten Handlungen angestachelt" zu haben - besonders durch "Aufrufe zur Teilnahme an nicht genehmigten Versammlungen".

Nawalny berichtete bereits im Mai, dass aus diesem Grund Ermittlungen gegen ihn eingeleitet worden seien. Zuletzt sorgte die Stiftung mit einem Dokumentarfilm über angebliche Luxus-Besitztümer von Präsident Wladimir Putin für Aufsehen.

Erst vergangenen August überlebte Nawalny einen Anschlag mit einem Nervengift, für welchen er die Führung in Moskau verantwortlich macht. Nach seiner Behandlung in der Berliner Charite wurde er nach seiner Rückkehr im Jänner in Russland festgenommen und später wegen angeblicher Verstöße gegen Bewährungsauflagen zu mehr als zweieinhalb Jahren Lagerhaft verurteilt.

Die russische Opposition wirft dem Kreml vor, vor der Parlamentswahl im September eine massive Einschüchterungskampagne gegen Regierungskritiker zu führen. Der Kreml bestreitet dies. (apa)