Kabul. In Sozialen Medien geteilte Videos aus der afghanischen Hauptstadt Kabul sorgen für Entsetzen. Die Aufnahmen sollen zeigen, wie Menschen aus beträchtlicher Höhe von einem Militärflugzeug fallen. Es wurde gemutmaßt, dass die Menschen sich im Bereich der Flugzeugräder der Maschine versteckt hatten. Diese Angaben konnten bisher nicht unabhängig verifiziert werden.

Ein Mann, der in der Nähe des Kabuler Flughafens lebt, schrieb der Deutschen Presse-Agentur auf Facebook, auf einem benachbarten Dach sei eine dieser Personen gelandet. Es habe gekracht, als habe es eine Explosion gegeben, schrieb der Mann. Er teilte Bilder und Videos der Leiche und sagte, noch drei weitere Männer seien in der Nachbarschaft gefunden worden.

Hunderte oder vielleicht auch tausende Menschen haben sich seit Sonntag zum Flughafen aufgemacht, um nach der Übernahme Kabuls durch die militant-islamistischen Taliban aus dem Land zu kommen. Bilder in sozialen Medien zeigen, wie sie überall am zivilen Teil des Flughafengeländes stehen oder über Drehleitern klettern, um in ein Flugzeug zu gelangen.

Schüsse zur Warnung

Der Westen versucht fieberhaft, seine Staatsbürger und ehemaligen Ortskräfte aus der Hauptstadt Kabul auszufliegen. Am Flughafen von Kabul spielten sich chaotische Szenen ab, teilweise wurde das Rollfeld von panischen Menschen mit dem Ziel gestürmt, einen Platz in einer Maschine zu ergattern. Dabei kamen nach Augenzeugenberichten mindestens fünf Menschen ums Leben.

US-Soldaten feuerten vereinzelt Warnschüsse ab. Daher setzten die USA zunächst alle Evakuierungsflüge aus. Diese Maßnahme sei nötig, weil Menschen auf die Pisten gelaufen seien, sagte ein Mitglied der US-Armee Reuters. Die US-Truppen müssten zunächst Ordnung und Sicherheit wiederherstellen, bevor es ab Dienstag erneut Evakuierungsflüge geben kann, so US-Präsident Joe Bidens stellvertretender nationaler Sicherheitsberater Jon Finer am Montag. Die Soldatinnen und Soldaten würden "den Großteil des restlichen Tages" damit verbringen, die Lage am Flughafen wieder unter Kontrolle zu bringen. Auf dem Airport warteten Minister, Regierungsbeamte und andere Zivilisten verzweifelt auf Flüge ins Ausland.

In den Straßen von Kabul war es unterdessen ruhig. Geschäfte und Kaffeehäuser blieben geschlossen, die Taliban besetzten Polizeistationen.