Seit November des vergangenen Jahres wütet in der äthiopischen Tigray-Region der Krieg. Premier Abiy Ahmed, der für den Friedenschluss mit dem Erzfeind Eritrea den Friedensnobelpreis erhielt, heizt die Unruhen weiter an, indem er die äthiopische Bevölkerung dazu aufruft, sich im Kampf gegen die Volksgruppe der Tigray zu mobilisieren und mit Milizen der Amhara-Volksgruppe fraternisiert.

Hilfsorganisationen schlagen nun Alarm: Zum ersten Mal seit Kriegsbeginn neigen sich die Essensrationen für die betroffene Bevölkerung zu Neige. "USAID und die anderen Hilfsorganisationen vor Ort haben ihre Lebensmittelvorräte erschöpft", sagt Samantha Power von der Behörde der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung (USAID) zur Nachrichtenagentur Reuters. Bereits im Juli warnten die Vereinten Nationen, dass mehr als 100.000 Kinder verhungern könnten.

Antonio Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen, fordert deshalb einen sofortigen Waffenstillstand und uneingeschränkten Zugang zur Region für Hilfsorganisationen. 

"Die Tigray sind am Verhungern. Etwa 900.000 Menschen leiden an Hunger und mehr als fünf Millionen Menschen brauchen humanitäre Unterstützung", berichtet Samantha Power. 

Regierung schweigt

In Schweigen hüllen sich hingegen Premier Abiy Ahmed und seine Notfallhilfsgruppe. Letzte Woche gab es ein vages Kommentar eines Regierungssprechers zu der Lage, in dem es hieß, dass 277 LKWs sich auf den Weg in die Tigray-Region gemacht hatten - genauere Informationen wollte er jedoch nicht zur Verfügung stellen. 

Der Aktivistin Samantha Power sind diese Lieferungen zu wenig: Laut ihren Angaben bräuchte es mindestens 100 LKW-Lieferungen pro Tag, um den verheerenden Zuständen in der Region entgegenzuwirken. (reuters)