Der EU-Ratsvorsitz hat für Donnerstag ein Sondertreffen zur Lage in Afghanistan einberufen. "Die slowenische Präsidentschaft strebt zu diesem Thema einen Meinungsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten und eine gemeinsame Reaktion der EU an", so ein Sprecher am Montagabend. Das Treffen werde auf Botschafterebene organisiert, wahrscheinlich werde es in Kürze zudem eine EU-Innenminister-Sondertagung zu möglichen Auswirkungen der Ereignisse in Afghanistan auf die Migration geben.

Slowenien hat den alle sechs Monate wechselnden EU-Ratsvorsitz seit Juli inne. Als kleines Land mit nur rund 2,1 Millionen Einwohnern besitzt es bei europäischen Entscheidungsprozessen normalerweise keinen besonders großen Einfluss. Als EU-Vorsitzland kommt ihm nun aber für eine halbes Jahr eine wichtige Rolle bei der Themensetzung und bei der Lösung von Meinungsverschiedenheiten zwischen den EU-Staaten zu.

G7-Staats- und Regierungschefs halten Sondergipfel ab

Die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen sowie Vertreter der EU wollen bereits am Dienstag bei einem Sondergipfel über die Situation in Afghanistan beraten. Auf dem Programm bei dem virtuellen Treffen am Nachmittag stehen Berichten zufolge sowohl die Evakuierungsmission westlicher Staaten als auch die langfristige Entwicklung des Landes. Eine große Rolle dürfte die Frage spielen, ob die Evakuierungen über den 31. August hinaus fortgesetzt werden können.

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson, der die Sitzung leiten wird, will sich nach Regierungsangaben aus London für eine Verlängerung bei US-Präsident Joe Biden stark machen. Biden hatte eine Fortsetzung der Evakuierungsmission nicht ausgeschlossen, zugleich aber deutlich gemacht, er hoffe, sie werde nicht notwendig sein.

Die militant-islamistischen Taliban hingegen haben sich bereits deutlich gegen eine Fristverlängerung ausgesprochen. Es handle sich um eine "rote Linie", so ein Sprecher im Interview des britischen Nachrichtensenders Sky News am Montag. Sie zu verschieben, käme einer Verlängerung der militärischen Besetzung seines Landes gleich. Trotz der ablehnenden Haltung der Taliban solle die Möglichkeit einer Verlängerung beim Gipfel am Dienstag Thema sein, bekräftigte ein Regierungssprecher in London. Es gehe darum, dass man im Kreis der G7 mit einer Stimme spreche. (apa)