Deutschland will den Menschen in Afghanistan nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel auch nach dem Ende der Evakuierungsmission der Bundeswehr helfen. Dazu werde Deutschland weitere 500 Millionen Euro an humanitärer Hilfe bereitstellen und sich um die kümmern, denen Deutschland sich verbunden fühle, sagte Merkel am Mittwoch in einer Regierungserklärung im Bundestag. Dazu gehörten Landsleute, afghanische Ortskräfte und Menschen, die wegen ihrer politischen Haltung besonders gefährdet seien. "Wir scheuen nicht davor zurück, Gespräche mit den Taliban zu führen, um etwas von dem, was den Menschen in Afghanistan in den letzten 20 Jahren zugutegekommen ist, bewahren zu können und um nach der Evakuierung weiter Menschen zu schützen", sagte sie. Unkonditionierte Absprachen mit den Taliban dürfe es aber nicht geben.

Mit Bezug auf die Debatte um eine frühere Evakuierung afghanischer Ortskräfte verwies Merkel darauf, dass die Regierung in einem Dilemma gesteckt habe. Man habe zwischen 2013 und August 2021 bereits mehr als 1000 gefährdete Ortskräfte und deren Familien ausgeflogen. Aber man habe sich in dieser Zeit gegen eine Evakuierung etwa der Mitarbeiter in der Entwicklungszusammenarbeit entschieden, weil man damit der afghanischen Bevölkerung geschadet hätte. Merkel kritisierte mit Blick etwa auf die Kritik der Opposition, dass es im Nachhinein leicht sei, "mühelos alles exakt zu wissen". "Wir konnten aber nicht hinterher und im Nachhinein entscheiden."

Der Afghanistan-Einsatz sei nicht sinnlos gewesen, betonte die Kanzlerin, die allen Einsatzkräften dankte und die im Einsatz Getöteten und Verwundeten würdigte. Seit 2011 sei nicht nur kein weiterer großer internationaler Terrorakt von Afghanistan aus geplant worden. Man habe die Lage sehr vieler Menschen durch den 20-jährigen Einsatz zudem erheblich verbessert. (Reuters)