Nach 20 Jahren ist der US-Einsatz in Afghanistan jetzt offiziell beendet, eine letzte US-Militärmaschine hob in der Nacht zum Dienstag (Ortszeit Afghanistan; Montagnachmittag Ortszeit Washington) vom Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul ab. Ab Mittwoch gehört der Hamid-Karzai-Flughafen dann alleine den Taliban: "Wir verlassen das Land am 31. August und ab diesem Zeitpunkt geben wir dem afghanischen Volk den Flughafen zurück", heißt es in einer Stellungnahme der US-Regierung.

Allerdings wird Washington eine Art militärischer Minimalpräsenz am Hindukusch aufrecht erhalten müssen. Das schon deshalb, weil auf afghanischem Territorium ein Ableger des IS operiert, der zuletzt durch den Terroranschlag auf den Kabuler Flughafen seine Gefährlichkeit demonstriert hat.

Mittlerweile ist auch klar, wie diese Präsenz der USA aussehen wird. Das US-Militär hat zahlreiche Kampfflugzeuge, Bomber und vor allem Drohnen in der Region stationiert und wird diese Kapazitäten einsetzen, um Terroristen auszuschalten. Laut Generalstabschef Mark Milley handelt es sich um Staffeln von Kampfflugzeugen der Typen F-16 und F-18 sowie die als "Reaper" (Sensenmann) bekannten Drohnen vom Typ MQ-9 und Langstreckenbomber vom Typ B-52.

Biden steht innenpolitisch stark unter Druck, die Leben von US-Soldaten durch Auslandseinsätze nicht mehr aufs Spiel zu setzen. Durch den Komplett-Abzug aus Afghanistan will Biden das gewährleisten. Auf der andern Seite muss der Terrorgefahr, die es eigentlich nicht mehr geben sollte, die von Afghanistan aber weiterhin ausgeht, wirksam begegnet werden.

Ferngesteuerte Kampfmaschinen im Jemen

Die USA setzten fliegende Kampfroboter auch in anderen Regionen seit vielen Jahren zur Terrorbekämpfung ein - etwa im Jemen, wo sich ein Ableger der Al Kaida festgesetzt hat. Wie effektiv der Drohnen-Einsatz ist, ist nicht bekannt, weil die Ergebnisse dieser Luftschläge nicht transparent sind. Klar ist, dass die vom Pentagon behauptete Treffgenauigkeit nicht gegeben ist. So werden bei den Einsätzen per Fernsteuerung immer wieder Zivilisten getötet.

Die Pentagon-Berichte vermelden freilich in erster Linie Erfolge: So soll am Sonntag mit einem Drohnen-Angriff ein Selbstmordattentäter in seinem Wagen getötet worden sein, der im Auftrag des IS einen weiteren Anschlag auf den Flughafen Kabul vorbereitet haben soll. Bei der Zerstörung des Wagens sei es anschließend zu mehreren starken Explosionen gekommen, was darauf hindeute, dass das Fahrzeug wohl mit Sprengstoff beladen gewesen sei, so das US-Zentralkommando.

Die Detonationen könnten weitere Opfer verursacht haben, es gibt laut CNN Berichte über getötete und verwundete Zivilisten. Aus Washington hieß es, eine "unmittelbare Bedrohung" für den Flughafen sei bei dem Angriff beseitigt worden.

Von den Taliban kam umgehend Kritik: Man sei nicht über den Angriff informiert worden, so die Islamisten, die sich mitten im Prozess des Staatsaufbaus befinden. Es sei widerrechtlich, dass die USA in anderen Ländern nach Belieben Angriffe ausführten, so ein Taliban-Sprecher.

Stellt sich nun die Frage, wie es mit dem Flughafen in Kabul weitergeht. Dass der Betrieb aufrecht bleibt, ist für die Taliban wichtig, weil hier die erhoffte und notwendige humanitäre Hilfe angeliefert werden soll. Aber auch für westliche Nationen bleibt der Flughafen immens wichtig. Sie wollen weiterhin ihre Staatsbürger sowie schutzbedürftige Afghanen ausfliegen.

Für eine Weile sah es so aus, als ob die Verantwortung für das Absichern des Geländes an die Türkei fallen würde. Die Hoffnung Ankaras und des Westens bestand darin, dass die Taliban ein kleines Soldaten-Kontingent aus der Türkei, die zugleich mehrheitlich muslimisch und Nato-Mitglied ist, akzeptieren könnten. Doch die Extremisten verkündeten mehrmals öffentlich, nach dem 31. August keinerlei ausländische militärische Präsenz mehr dulden zu wollen.

Doch Ankara und die Taliban verhandelten weiter. Nun soll ein anderer Vorschlag auf dem Tisch liegen: Die radikalislamischen Kämpfer wollen selbst für die Sicherheit auf dem Flughafen sorgen - und Ankara soll den operativen Betrieb übernehmen.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres spricht derzeit mit den Vertretern des Sicherheitsrates jedenfalls über eine UN-Sicherheitszone in Kabul. Ein entsprechender Resolutionsentwurf liegt vor, vor allem Frankreich und Großbritannien wollen eine derartige Zone rasch umgesetzt haben.(schmoe)